Seiten

Mittwoch, November 29, 2017

Unterstützt der deutsche Staat verbrecherische Kindesentziehung? – News vom 29. November 2017

1.
Eine Berlinerin setzt sich mit ihrer Tochter nach Thailand ab. Mithilfe deutscher Kriminalbeamter wird das Kind zum sorgeberechtigten Vater zurückgeholt. Nun ist die Mutter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.


Spiegel-Online berichtet. Erwähnenswert ist dabei die folgende Passage:

So spricht Richterin Ulrike Hauser nach der Verkündung des Urteils von "Strukturen", die sie hinter der Kindesentziehung vermutet. "Viel spricht dafür, dass mehr Leute beteiligt sein müssen, die das Ausreisen ermöglichten." Sie weist auf die zweifelhafte Rolle von Leuten in der Deutschen Botschaft hin. Diese soll in einem zweiten Fall der Kindesentziehung ebenfalls unrechtmäßig Dokumente ausgestellt haben.

Zu den Anhaltspunkten, die diese Vermutung stützen, zählt zum einen der Umstand, dass sich K. in Malta illegal Reisedokumente besorgen konnte. Zum anderen weist der Anwalt des Nebenklägers in seinem Schlussplädoyer auf die Rolle hin, die ein Berliner Mütterverein gespielt haben könnte. Er stellt in Frage, ob die Ausreise auch ohne diesen Verein möglich gewesen wäre.

Gegen den Verein wird derzeit dennoch nicht ermittelt. Im Vorfeld der Verhandlung zitierte die "Bild"-Zeitung den Vorsitzenden der Vereinigung der Berliner Staatsanwälte, Ralph Knispel: "Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft sind wegen der Arbeitsüberlastung in der Lage, in der gebotenen Tiefe und Breite Ermittlungen führen zu können."




2. Die Feministin und Genderwissenschaftlerin Franziska Schutzbach hat ihren Lehrauftrag an der Uni Basel verloren. Die Entscheidung fiel, nachdem Schutzbach zu einem Redeverbot und einem wirtschaftlichen Boykott gegenüber ihr unliebsamen Politikern aufgerufen hatte. Schutzbach ist weiterhin Mitglied der basel-städtischen Gleichstellungskommission



3. Unter der Überschrift Starke Jungs für 400 Dollar berichtet der "Tagesspiegel" über den Sklavenhandel in Libyen und wie ihn Europa unterstützt.



4. Um die männlichen Opfer des Sklavenhandels geht es auch in einem aktuellen britischen Artikel:

Männliche Überlebende der Sklaverei in Großbritannien werden im Vergleich zu weiblichen Opfern oft übersehen, weil die Scham viele Männer daran hindert, sich zu äußern und Unterstützung zu suchen, erklärten Aktivisten am Montag.

Männer, die versklavt wurden, erkennen seltener als Frauen ihre Tortur als Verbrechen an und melden sie seltener den Behörden, so dass sie isoliert bleiben, anfällig für Drogenmissbrauch sind und Gefahr laufen, erneut gehandelt zu werden, so die britische Wohltätigkeitsorganisation "Hestia".

"Es ist viel schwieriger, Männer dazu zu bringen, sich nach der Sklaverei zu engagieren - sie schreiben es eher als eine schlechte Berufserfahrung ab, selbst in Fällen von Brutalität", berichtete Patrick Ryan, Vorsitzender von "Hestia", der Thomson Reuters Foundation.

"Für Männer ist es schwieriger, sich von so etwas zu erholen als für Frauen, und wenn sie sich nicht mit ihren Erfahrungen auseinandersetzen, kann dies das Risiko mit sich bringen, erneut verkauft zu werden", sagte Ryan von "Hestia", die Opfern von häuslichem Missbrauch und moderner Sklaverei, vor allem in London, Zuflucht und Unterstützung bietet.

(...) Männliche Überlebende zögern "Hestia" zufolge, Hilfsorganisationen aufzusuchen, ihre Erfahrungen mitzuteilen, sich mit anderen Opfern zu vernetzen oder auch nur Geld anzunehmen, das ihnen beim Wiederaufbau ihres Lebens helfen soll.

"Es ist schwer - jedes Mal, wenn ich meine Geschichte erzähle, habe ich das Gefühl, dass die Leute mir nicht glauben, weil ich ein Mann bin und nicht in diese Situation geraten sein sollte", teilte ein Opfer, Juan, der Hilfsorganisation mit.




5. Im US-Bundesstaat Indiana wurde eine Krankenschwester entlassen, nachdem sie getwittert hatte, dass "weiße Jungen den Wölfen geopfert werden sollten", da sie die größte Neigung hätten, ein Terrorist, Vergewaltiger, Mörder oder Täter bei häuslicher Gewalt zu werden.



6. Hierzulande hingegen erhält der Journalist Enno Park, wenn er gegen weiße Männer hetzt, beim Deutschlandfunk eine Plattform. Der Beitrag ist eine Mischung aus Clickbait und dem üblichen Ich-bin-besser-als-meine-Geschlechtsgenossen-Auftitt, den Lucas Schoppe gestern hier mit Blick auf jene Promis analysierte, denen Enno Park nachplappert:

Mit Thea Dorn oder Sabine Rückert beziehen Frauen [in der MeToo-Sex-Panik] mäßigende Positionen. Die schärfsten, gewaltsamsten Zuspitzungen in deutschsprachigen Medien werden hingegen von Männern formuliert – in einer verlagsinterenen Radikalisierungslogik jeweils im Spiegel.

Georg Diez stellt Dorn für ihren Beitrag als reaktionäre Autorin hin, die eine emanzipatorische Bewegung verhindern wollte. Mit seinem Text schlägt die Debatte eine absurde Volte, in der ein Mann einer Frau fehlende feministische Linientreue vorwirft, eben weil sie sich abfällig über die Erwartung der Linientreue geäußert hatte.

Andreas Borchholte schreibt im selben Blatt ohne Angst vor unangenehmen historischen Bezügen von der Reinigung eines schmutzigen Systems, und Jakob Augstein erklärt ohne störende rechtsstaatliche Bedenken, dass die Falschbeschuldigung wegen sexueller Vergehen nun einmal unweigerlich zum dringend notwendigen revolutionären Wandel der Geschlechterverhältnisse dazugehören würde.

Für einen revolutionären oder auch nur für einen vorsichtigen Wandel der Geschlechterverhältnisse stehen solche Positionen natürlich gerade nicht. In einem klassischen männlichen Konkurrenzverhalten präsentieren alle drei Autoren sich als die besseren Männer, indem sie andere Männer als unrein, schuldbeladen und reaktionär hinstellen. Auch die Spiegel-interne Überbietungslogik lässt sich so leicht erklären: Der bessere Mann steht offenbar unter dem Druck nachzuweisen, dass er noch besser ist als die anderen besseren Männer.


Enno Park ist darüber hinaus entweder ahnungslos oder demagogisch, wenn er suggeriert, nur "alte weiße Männer" würden die vielen bedenklichen Aspekte der aktuellen Sex-Panik kritisieren – oder wie Park in seinem Mein-Schwanz-ist-viel-größer-und geiler-schaut.alle-her!-Auftritt verächtlich formuliert "mit reflexartigem Vollschreiben von Feuilletonspalten" reagieren. Nicht nur Genderama veröffentlichte in den vergangenen Wochen mahnende Beiträge auch von zahlreichen Frauen, die erklärten, warum die aktuelle Entwicklung für beide Geschlechter destruktive Aspekte birgt.



7. Aber auch die Männer lassen sich nicht mehr den Mund stopfen. Im National Review etwa macht Douglas Murray darauf aufmerksam, dass die aktuelle Debatte über sexuelle Übergriffe als Instrument der Mächtigen regelmäßig einen Aspekt ignoriert, wenn es um die Frage geht, wer bei einer Begegnung zweier Menschen in einer Machtposition ist und wer nicht:

Der Glaube daran, dass die Macht nur bei älteren, reicheren, "mächtigeren" Männern liegt und dass diese die jüngeren, hübscheren, verletzlicheren Menschen ausnutzen, ist nicht nur falsch, weil sie ein Konstrukt der modernen, männerfeindlichen Linken ist. Er ist falsch, weil er die Form der "Machtausübung von unten", die es auch gibt, völlig ignoriert. Das ist die Form der Macht, die attraktive junge Frauen und Männer einsetzen können, um einige Menschen dazu zu bringen, fast alles zu tun, um ihre Zustimmung zu erhalten. Sie ist nicht nur im Alltag zu beobachten, sondern auch Gegenstand zahlreicher Kunstwerke sowie vieler Romane und Opern (sowohl komischer als auch tragischer Art).

Nichts davon entschuldigt sexuelle Raubtiere, geschweige denn Sexualverbrechen. Aber wir schreiben im Moment die Regeln einer sehr breiten Palette menschlicher Interaktion um, und wenn wir am Ende dieser Panik irgendeine Form von gesundem Gleichgewicht erreichen wollen, sollten wir nicht so tun, als seien ältere, reichere Männer die einzigen Menschen, die in der Lage sind, sexuelle Macht auszuüben. Ich nehme an, dass wir nicht viel von den Leuten hören werden, für die das funktioniert hat. Aber es fehlt ein Stück in der Geschichte, die wir uns derzeit über den nicht-kriminellen Teil bei all dem erzählen, und das sollten wir zumindest anerkennen.