Sonntag, Februar 07, 2016

Vermischtes vom 7. Februar 2016

1. In der ZEIT bespricht Andrea Hünniger den feministischen Film "Suffragetten", der am 4. Februar auch in Deutschland angelaufen ist. Ihr Fazit:

Auf der einen Seite stehen die heiligen Aktivistinnen, auf der anderen die geistig mitunter beschränkten und machtgeilen Männer. (...) Man muss sich diesen Film natürlich trotzdem anschauen. Danach ist man ganz motiviert, auf die Straße zu gehen, um etwas kaputt zu machen.




2. Die Washington Post beschäftigt sich damit, wie in Armut aufgewachsene Jungen zu arbeitslosen Männern werden – ein Effekt, der beim weiblichen Geschlecht deutlich schwächer ausfällt:

Girls who grow up in poor families are more likely than the boys who grow up with them to work as adults. It's an exception that holds up in national data. And in segregated, heavily minority communities like Baltimore — places where rates of incarceration, poverty and single-parent families run high — the gender divide is especially wide. Poor children struggle there. But boys are left even further behind.

(...) In Baltimore, for example, about 71 percent of girls born in the early 1980s to poor families were working at age 30. Among boys of similar backgrounds, 58 percent were. In Washington, the difference is even more pronounced: 72 percent of poor girls, but just 56 percent of poor boys, would be employed at age 30. That divide — a kind of reverse gender gap — suggests that boys may be more susceptible than girls to the harmful effects of growing up in unstable, high-poverty environments, the researchers say.




3. Kaum wird in den USA ernsthaft gefordert, dass der Zwangseinzug zur Armee auch Frauen treffen sollte, plädieren Zeitungen wie die Washington Post dafür, diesen Zwangseinzug komplett abzuschaffen.



4. In Australien gewinnen Männerrechtler inzwischen starken Einfluss auf die Gesetzgebung im Bereich Familienrecht. Nicht jede Journalistin ist begeistert davon. "The men hijacking family law reforms" titelt die australische Wochenzeitung "The Saturday Paper". Im Teaser des Artikels heißt es:

A coalition of men’s rights activists has captured the ear of the crossbench and is rewriting the Family Law Act by stealth.


Einflussnahme auf das Familienrecht darf selbstverständlich nur von Feministinnen ausgehen und nicht von den Interessensvertretern irgendwelcher Kerle.



5. Der "Schwulemiker" widmet sich in seinem Blog der Wahl zwischen Arschloch und Versager, das deutsche Männer nach der Kölner Silvesternacht haben.



6. Mit der Kölner Silvesternacht zum einen und mit dem Rumoren in den Trümmern der Piratenpartei zum anderen beschäftigt sich das Blog Männerrechte.



7. In den USA sehen sich prominente Frauen veranlasst, die im Vorwahlkampf schwächelnde Hillary Clinton vor allem bei den ausbleibenden Wählerinnen zu unterstützen. So etwa Madeleine Albright, Außenministerin unter Bill Clinton, die gleich mit dem Höllenfeuer droht:

Attempting to sway young women to support Hillary, Albright said, "We can tell our story about how we climbed the ladder and a lot of you younger women don’t think you have to — it’s been done — it’s not done and you have to help. Hillary Clinton will always be there for you. And just remember: there’s a special place in hell for women who don’t help each other," she said.

Hillary burst out laughing as the audience cheered.


Und für die Erzfeministin Gloria Steinem ist sowieso nur ein Grund vorstellbar, wenn Frauen Clinton nicht unterstützen wollen:

Feminist icon Gloria Steinem has drawn the wrath of the Twitterverse for suggesting that young women supporting Bernie Sanders’ presidential campaign are doing so to gain the attention of men.

"When you’re young, you’re thinking, ‘Where are the boys? The boys are with Bernie,'" Steinem told Bill Maher Friday night on the comic’s HBO show "Real Time."

(...) Maher had been pressing the 81-year-old feminist about why polls suggest that young American women are backing the Vermont senator over Steinem’s preferred Democratic candidate, former secretary of state Hillary Clinton.


Es ist immer wieder herrlich, für wie unterbelichtet Radikalfeministinnen Frauen halten, die ihre politische Ideologie partout nicht teilen wollen.



8. Ein Mann, der im Londoner Feierabendgetümmel an einer Schauspielerin vorbeistreifte – Videoaufnahmen von dem Vorfall zeigen nicht eindeutig, ob es überhaupt zu einem Körperkontakt kam – musste sich jetzt wegen eines sexuellen Übergriffes vor Gericht verantworten. Die Daily Mail berichtet hübsch bebildert über den absurden Prozess, der zwar nach nur anderthalbstündiger Beratung der Jury (neun Frauen, drei Männer) zu einem Freispruch führte, den angeprangerten Mann aber trotzdem verstört zurücklässt:

‘One of the many frightening aspects is that this could have happened to anyone,’ he told The Mail on Sunday yesterday.

Every day, some 300,000 people flow through Waterloo in Central London – Britain’s busiest station. ‘I was just one of those commuters – in the wrong place at one moment in time,’ he said.

‘For me, half a second turned into a year of hell. I feel I have undergone a form of mental torture sanctioned by the state.’

It goes without saying that the actress will remain anonymous. The law doesn’t afford the same privilege to Mr Pearson, who has undergone cognitive therapy for anxiety attacks brought on by the stress.

Samstag, Februar 06, 2016

Vermischtes vom 6. Februar 2016

1. In der Schweiz wird die Debatte um Väterrechte momentan etwas engagierter geführt als sonst. Dabei steht Seraina Kobler in der Neuen Zürcher Zeitung auf der Seite der Väter:

Keine Generation vor ihnen hat sich so intensiv um den Nachwuchs gekümmert wie die heutigen Väter. Dennoch sind sie den Müttern in der Familie noch lange nicht gleichgestellt.


Der feministisch geprägte Tages-Anzeiger hält mit der beliebten Rhetorik dagegen, dass Männer, die Gleichberechtigung fordern, grundsätzlich "jammern", was sie als unmännlich verunglimpfen soll. Philipp Loser will mit dem Artikel Die Jammer-Väter vermutlich zeigen, dass er ein echter Kerl ist,



2. Nicola Erdmann findet in einem Artikel der "Welt", Männer könnten einem bereits leid tun, wenn es um die Partnersuche geht: "Entweder sind sie zu forsch oder zu zurückhaltend. Tretminen lauern überall." Sie gibt uns den folgenden Ratschlag:

Nicht so viel darüber nachdenken, was der andere wollen könnte, vielleicht erwartet, eventuell gut oder schlecht findet. Sondern das tun, was das Gefühl in dem Moment verlangt (...) Will ich den Arm um sie legen? Dann versuche ich es und schaue, wie sie darauf reagiert.


Aufschrei!!



3. Hillary Clinton schlägt sich nicht so gut wie erwartet bei den Vorwahlen in Iowa – und Feministinnen drehen am Rad.

Währenddessen wird dem republikanischen Bewerber für eine Präsidentschaftskandidatur Ted Cruz Rape Culture vorgeworfen, weil er seine kleine Tochter zu umarmen versuchte, obwohl sie zu diesem Moment offenkundig genervt und unwillig war.



4. Die US-amerikanische Feministin Lena Dunham erklärt: "Ich bin fertig mit Twitter, bis es ein Safe Space geworden ist!" Katherine Timpf kommentiert:

Demanding that an entire platform be changed — and something as important as our free speech be restricted — because you personally cannot handle it is about as offensive as it gets.




5. Der US-Wirtschaftsprofessor Mark J. Perry ist den unterschiedlichen Pendelzeiten von Männern und Frauen auf den Grund gegangen, und verkündet für den 14. April den "Equal Commute Day".



6. Inzwischen eigentlich nur noch fürs Protokoll: In Thüringen hat mal wieder eine 21jährige eine Vergewaltigung erfunden. Mit Flüchtlingen als vermeintlichen Tätern natürlich. Ein fremdenfeindliches Motiv sei aber auszuschließen, die Gründe lägen "in der Psychologie der Frau". Das Übliche.



7. Zuletzt off-topic: "Merkel gelingt der erste Schritt" titelt das "Handelsblatt": Die Teilnehmer der Geberkonferenz für notleidende Menschen in Syrien und der Nachbarregion zahlen rund neun Milliarden Euro (mehr als zehn Milliarden Dollar) an internationale Hilfsorganisationen für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Gleichzeitig wächst die interne Spannung in den Unionsparteien:

In der CDU-Spitze wird aber auch zunehmend ungehaltener kritisiert, dass ausgerechnet die Schwesterpartei CSU kaum einen Tag auslässt, um zu suggerieren, dass es angeblich doch einfachere Lösungen an der deutschen Grenze gebe. "CSU-Chef Horst Seehofer untergräbt systematisch das Vertrauen in die Regierung und Merkel", kritisiert etwa ein CDU-Bundesvorstandsmitglied.


Dafür könnte es gesamteuropäisch mehr Bewegung geben:

Die immer deutlicheren Warnungen aus Berlin, Brüssel und Rom, dass ein Zusammenbruch des Schengen-Raums allen EU-Volkswirtschaften schaden würde, scheint zudem auch andere EU-Regierungen aufzuwecken, die bisher in der Flüchtlingskrise zögerlich agieren.


Außerdem: In Polen fällt eine geplante Kundgebung der Pegida dieses Wochenende aus.

Die Organisatoren von "Pegida Polska" sagten die Veranstaltung mit geschätzten 300 Teilnehmern am Freitag kurzfristig ab. Über soziale Medien erklärten sie, von nationalistischen Fußballfans telefonisch bedroht worden zu sein. Diese hätten den Pegida-Organisatoren vorgeworfen, die Stadt "insgeheim germanisieren" zu wollen und dem polnischen Staat zu schaden.

Freitag, Februar 05, 2016

Vermischtes vom 5. Februar 2016

1. Die Website Vice.Com übernimmt einen Artikel des britischen Journalisten Matt Broomfield mit dem Artikel Die Profitgier von "Männerrechtsaktivisten" wie Roosh V. So wie schon mehrere Male zuvor wird der Männerrechtsbewegung ein Vogel untergeschoben, der mit ihr nichts zu tun hat. Der hier kritisierte Publizist "Roosh V" (eigentlich: Daryush Valizadeh) setzt sich nicht für männliche Opfer häuslicher Gewalt, Kontakt von Trennungsvätern für ihre Kinder, eine bessere Gesundheitsversorgung oder eine der zig anderen Themen ein, die unsere Bewegung ausmachen. Aber er bietet mit Positionen, die ich hier nicht näher ausführen will, aber von Christian Schmidt in einer starken Analyse ausführlich erläutert werden, eine leichte Zielscheibe an, wenn man einer ernsthaften Diskussion über die tatsächlichen Anliegen der Männerrechtsbewegung aus dem Weg gehen möchte.

Auch die Feministin Teresa Bücker präsentiert "Roosh V" im Kölner Stadtanzeiger und der Frankfurter Rundschau als Männerrechtler. Und auf Medium.com findet man von einem Autor mit dem Pseudonym "misharrgh" (Klarname: Misha Anouk) die folgende kuriose Behauptung:

Roosh V, gebürtig Daryush Valizadeh, ist der Gründer der Website Return of Kings, einer Anlaufstelle für Maskulisten jeglicher Couleur.


Tatsächlich positioniert sich "Return of Kings" KONTRÄR zur maskulistischen Männerrechtsbewegung. Dort veröffentlichte Beiträge wie The Men's Right Movement Is no Place for Men, 5 Reasons I'm Not a Men's Rights Activist machen das sehr deutlich. Das wird die Polemik von Teresa Bücker und Misha Anouk natürlich nicht aufhalten. Diese Leute gehören zu den Donald Trumps der deutschen Geschlechterdebatte – mit dem Unterschied, dass unsere Leitmedien darauf verzichten, eine Teresa Bücker kritisch zu hinterfragen. Genderama-Leser aber sollten wissen, dass es sich um Falschdarstellungen handelt und von wem sie gestreut werden.

Welchen Zweck solche Verleumdungen erfüllen, kann sich jeder selbst erschließen. Sie schaden den Anliegen der Männerrechtsbewegung, die man eigentlich treffen will, während "Roosh V" von diesen Artikeln massiv profitiert (inwiefern erklärt Christian Schmidt in dem erwähnten Artikel).

Weiter geht es mit Themen, die für die Männerrechtsbewegung tatsächlich von Bedeutung sind. Wer findet, dass diese Bewegung politisch falsch liegt - oder gar wie Misha Anouk von einer "menschverachtenden Ideologie" der Männerrechts-Aktivisten spricht - und sich deshalb seriös mit ihr auseinandersetzen möchte, sollte das auf diesen Themenfeldern tun. Man muss davon ausgehen, dass Leuten, die gegen die Männerrechtsbewegung hetzen, in Wahrheit diese Themenfelder ein Dorn im Auge sind. Sie sollen in der Geschlechterdebatte weiter so marginal bleiben wie bisher.



2. Spiegel-Online berichtet über die neuesten Daten beim Thema sexueller Missbrauch:

Eine Tätergruppe wird oft übersehen: Frauen. Die Hälfte aller Männer und zehn Prozent der Frauen, die als Kinder sexuell missbraucht wurden, berichten von einer Täterin. In bis zu sieben von 100 Fällen war die biologische Mutter übergriffig - deutlich öfter als Stiefväter (vier Prozent) und nicht viel seltener als der biologische Vater (bis zu neun Prozent).




3. Das Dating-Blog Gleichklang legt seine Ergebnisse einer Umfrage zu sexuellen Übergriffen vor. Aus maskulistischer Perspektive sind die Erkenntnisse über männliche Opfer besonders interessant:

Sexuelle Übergriffe gegen Männer kamen erheblich seltener vor, waren aber nach den Ergebnissen der Umfrage ebenfalls durchaus weit verbreitet. So gab mehr als jeder vierte befragte Mann (28,1%) an, bereits Opfer mindestens eines sexuellen Übergriffs in seinem Leben geworden zu sein. 10,2% berichteten über mehrere Übergriffe durch verschiedene Personen, 15,2% über einen Übergriff einer Person und 2,7% über mehrere Übergriffe durch die gleiche Person. Bezüglich der Art der Übergriffe gaben 8,8% der befragten Männer an, außerhalb des Intimbereichs berührt worden zu sein. 11,0% berichteten von Berührungen im Intimbereich. 6,0% gaben an, gegen ihren Willen geküsst worden zu sein. 3,1% berichteten, dass jemand versucht habe, sie zu entkleiden. 2,1 % gaben an, durch Gewalt zur Durchführung oder zum Erdulden sexueller Handlungen genötigt worden zu sein. 2,1% berichteten, durch erzwungenes Eindringen in den eigenen Körper vergewaltigt worden zu sein. Insgesamt gab jeder fündfunzwanzigste der befragten Männer (3.9%) an, Opfer eines schweren sexuellen Gewaltdelikts im Sinne einer Nötigung oder Vergewaltigung geworden zu sein.




4. Auf deutsch berichtet jetzt Heise über die Sexismusklage eines Mannes gegen den Konzern Yahoo.



5. Psychische Störungen bei Männern sind eine gesundheitspolitische Herausforderung, die ignoriert wird, erklärt der britische Daily Telegraph.



6. Die britische Daily Mail berichtet – wie vor einigen Tagen schon Genderama – über das Videoexperiment mit versteckter Kamera, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen reagieren je nachdem, ob eine Frau von einem Mann oder ein Mann von einer Frau sexuell belästigt wird.



7. "Was wir brauchen ist eine Mandiemie" (eine Epidemie, die Männer trifft), postuliert das Blog "Feminist Current":

Ok. You probably do love men. Most women have some men in their lives that they dearly love. There are tons of wonderful men! So sure, it will be sad and tragic when the Mandemic rages with the fire of a thousand suns and randomly selects enough male victims to disrupt the current power structure around the world. This will be necessary to create an opening for women to become equal — maybe even dominant.

But isn’t our only hope the removal of excessive male humans from the continents? If women don’t take the reins of this doomed planet and get cracking on resolving those few items listed above, we don’t stand a chance.


In welcher Bewegung findet man regelmäßig solche Massentötungsphantasien? In der feministischen. Welche Bewegung kritisiert diese Phantasien? Die maskulistische. Welche Bewegung wird als "menschenverachtend" beschimpft? Die maskulistische. Es ist irre.

Seht ihr, Teresa Bücker, Misha Anouk und Redaktionsteam von Vice.com: Wenn ihr den Vorwurf ausräumen wollt, dass Feministinnen sich bis heute an Phantasien von zahllosen toten Männern erfreuen, müsstet ihr nur so, analog zu meiner Darlegung bei "Return of Kings", nachweisen, dass "Feminist Current" keine feministische Website ist. Tatsächlich bezeichnen sie ihre Macher sogar als führende feministische Website ihres Landes. Aber eure Phantasien von bösartigen Männerrechtlern und Maskulisten beschäftigen euch hundertmal mehr als die nachweisbaren Abgründe im feministischen Lager. Für diese Borniertheit gibt es ein Wort. Es lautet "Sexismus".

Zu diesem Theater gibt es auch einen neuen Comic von Martin Domig.



8. Zuletzt off-topic: Viele Deutsche lehnen die Flüchtlingspolitik Angela Merkels ab. Roberto de Lapuente ist einer von ihnen:

Auch ich halte die Flüchtlingspolitik dieser Frau in vielen Punkten für grundlegend falsch und heuchlerisch. Sie manifestiert sich bequem auf den Schultern freiwilliger Helfer, macht zu wenig Gelder locker, installiert Erdogan als Bollwerk gegen Flüchtende, während sie generös "Willkommen, willkommen!" ruft. Wer das tut, der müsste die Flüchtenden abholen, sie über sichere Routen zu uns kommen und nicht vom Militär eines despotischen Präsidenten an der Peripherie Europas in Schach halten lassen. Schon vorher war es Teil ihrer Asylpolitik, die Hilferufe aus Italien und Griechenland zu ignorieren, sie zu bagatellisieren. Schließlich war man im Zentrum des Kontinents und musste sich nicht um die Erstaufnahme kümmern. Das sollten andere machen. Alleine. Verteilungsquoten lehnte sie ab. Der Asylkompromiss aus den Neunzigern wurde zur europäischen Agenda und hat unter anderem viele Tote im Mittelmeer verursacht. Man verschärfte das Asylgesetz kürzlich sogar noch, statt über die bitteren Folgen der letzten Verschärfungen nachzudenken.


Währenddessen denkt man bei der AfD über einen Ariernachweis nach:

Beim Bundesparteitag wurde ein Antrag eingebracht. Darin definieren Mitglieder präzise, wer als Deutscher gelten darf. Deutsch sei nur, wer „seine Abstammung von einem Vorfahren, der vor dem 1. Januar 1914 im europaischen Gebietsstand des Deutschen Reiches (...) geboren ist, durch lückenlose (...) Abstammungsnachweise nachgewiesen hat“. Der Antrag wurde abgelehnt. Unterzeichnet hat ihn allerdings Thomas Fügner, der im vergangenen Jahr in den Landesvorstand gewählt wurde.


Außerdem: die Buchrezension des Monats.

Donnerstag, Februar 04, 2016

Vermischtes vom 4. Februar 2016

1. Nachdem bekannt wurde, dass die Umbenennung des "Studentenwerks" der Stadt Berlin in das geschlechtsneutrale "Studierendenwerk" 800.000 Euro kosten soll, beschließt die Stadt Erlangen, den bisherigen Namen beizubehalten:

Auch hier würden für die Umbenennung Kosten in Höhe von 300.000 Euro anfallen. "Da muss man fragen, ob die Sache die Summe rechtfertigt oder man das Geld nicht für etwas anderes ausgeben kann", sagte Studentenwerk-Sprecher Uwe Scheer den "Nürnberger Nachrichten". Außerdem sei die genaue Bezeichnung "Studentenwerk" im bayerischen Hochschulgesetz geregelt.


Was die Debatte in der Hauptstadt angeht, präsentiert die Berliner Morgenpost Äußerungen auf Facebook, die verdeutlichen, dass auch Frauen die feministisch korrekte Umbenennung des Studentenwerkes affig finden:

Anna Melissa Z. kommentiert: "Besser das Geld in ein bezahlbares Studentenwohnheim investieren. Aber Wohnraum ist natürlich unwichtig im Vergleich zu diesem unglaublichen Problem."

Simone F. schreibt ganz knapp: "Überflüssiger Irrsinn!"

Viktoria K. weist drauf hin: "Die Umbenennung ist ja kein alleiniges Berliner Problem. In BaWü und in NRW macht man das jetzt auch.... Ja es ist unnötig. Davon könnte man Wohnräume schaffen oder neue Arbeitsplätze schaffen oder Lernbedingungen verbessen."

Carmen C.: meint: "Nur weiter so, es gibt noch viel zu tun auf dem Weg, Berlin als Trottelstadt der Nation hinzustellen. Der Flughafen war schon mal ein guter Anfang!"


Wenn diese Wortmeldungen repräsentativ sind, werden die Kosten von 800.000 Euro nicht auf Wunsch der Studentinnen investiert, sondern auf Wunsch einer relativ kleinen ideologisierten Clique.

Eine andere Debatte tobt derweil an der Uni Frankfurt:

Sollte das neue Studierendenhaus der Frankfurter Goethe-Universität Unisex-Toiletten bekommen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Der AStA ist dafür, der RCDS meint dagegen: "Schluss mit Gender-Gaga!"


Die Frankfurter Rundschau berichtet.



2. Österreichs Männerpartei reagiert in einer Pressemitteilung darauf, dass beim aktuell eingeführten Zentralmatura Jungen anonymisiert bewertet plötzlich bessere Noten als ihre Mitschülerinnen haben (Genderama berichtete). In dieser Pressemitteilung erklärt Hannes Hausbichler, Bundesvorsitzender der Männerpartei:

Seit Jahrzehnten wird uns weisgemacht, Buben seien sprachlich weniger begabt als Mädchen, weil sie durchschnitttlich deutlich schlechtere Noten als Mädchen erhalten. Erstmals wurden in der letztjährigen Zentralmatura jedoch exakt dieselben Schüler faktisch anonym bewertet, und damit platzt die Bombe: Männliche Schüler, welche persönlich durch die Lehrer über Jahre schlechter benotet wurden als Mädchen, erhalten schlagartig deutlich bessere Noten, wenn sie wirklich gerecht nur nach ihrer Leistung, ohne Kenntnis der Person im Hinterkopf des Lehrers, benotet werden! Dieser Umstand ist der Beweis für einen bildungspolitischen Skandal. (...) Besonders das lange Unter-Verschluss-Halten der brisanten Englischergebnisse der Zentralmatura zeigt umso mehr: Unsere Buben sind nicht so blöd, wie unsere Politik das darstellt, im Gegenteil!


Die Männerpartei fordert nun eine Objektivierung der Leistungsbewertung von Schülern, eine vernünftige Bewertung der Chancengerechtigkeit statt genderblinder Einseitigkeit sowie ein echtes Bildungsministerium statt eines Ministeriums, das Bildungspolitik als Werkzeug radikalfeministischer Frauenpolitik betreibe. Die beste Lösung stelle die Integration einer vernünftigen Frauenpolitik in eine nachhaltige Generationen- und Solidaritätspolitik dar.



3. Drei Mädchen stürmtem am Dienstagabend kurz nach 23 Uhr in eine Gaststätte in Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg) und berichteten den Anwesenden, sie seien "um ihr Leben" gerannt, um 300 Asylbewerbern zu entkommen, die sie verfolgt und belästigt hätten. Man ahnt es schon: So ging die Sache aus.



4. Auf den Seiten der taz lässt Lalon Sander mal wieder seinem Sexismus und Rassismus gegen weiße Männer freien Lauf.



5. Auf der Website der Honey Badgers – amerikanischen Frauen, die die Männerrechtsbewegung unterstützen – erklärt ein schwuler Autor, gerade weil seine Homosexualität häufig als krankhaft dargestellt wurde, setze er sich jetzt für Männer im allgemeinen ein, mit denen inzwischen dasselbe geschehe:

I remember one promise I made to myself. Within my power, I wouldn’t let any kid grow up the way I did, ashamed of their sexuality, afraid of expressing their sexuality in a healthy fashion, afraid to be themselves. Yet, when I look at our current culture, not only schools, but colleges and beyond, what I see is a complete rejection of the straight male identity. Somehow masculinity became toxic, they started being told they were wrong by default, that they had an invisible privilege which served them no good yet they had to apologize for it, rape accusations became a threat as if not more damaging than rape and suicide among men skyrocketed. As with any deliberate attempt to marginalize any given group, the demonization of the straight male identity starts in early childhood.




6. Eine australische Studie zeigt: Bei Männern werden Wünsche nach flexiblen Arbeitszeiten doppelt so häufig abgelehnt wie bei Frauen.



7. Ein Paar im US-Bundesstaat North Carolina richtet ein Männerhaus besonderer Art ein. Es handelt sich um eine Zufluchstätte für männliche Opfer von Sexhandel:

Anna and Chris Smith did not initially set out to advocate for male victims. On the contrary, when they co-founded their organization, Restore One Inc., they intended to promote awareness for young girls who had fallen victim to sex trafficking. Through this endeavor, the Smiths realized how often advocates overlook young boys forced into the sex trade. One study hypothesized that half of the trafficked minors in New York City are boys, yet advocacy groups tend to focus their efforts solely on female victims. After discovering these statistics, the Smiths came up with the idea for Anchor House, which will be the first shelter in America dedicated exclusively to male victims.

The Smiths’ advocacy should serve as a reminder that sex-trafficking is not a gender specific issue.


So wenig wie all die anderen Themen, bei denen so getan wird, als ob sie nur weibliche Opfer beträfen.



8. Das rumänische Parlament hat beschlossen, den 19. November offiziell als Männertag zu behandeln und an diesem Tag die Themen und Anliegen der Männerrechtsbewegung aufzugreifen:

The Chamber of Deputies voted on Wednesday a bill which declares March 8 as the official Women’s Day, and November 19 as the Men’s Day in Romania. The law was adopted with 204 votes for and 16 votes against, reports local Mediafax.

(...) According to the legislative proposal initiated by five Senators, the public authorities can organize events to celebrate these days, and the public television and the public radio can broadcast "programs dedicated to promoting women’s rights or men’s rights" in their programs.

(...) "Celebrating the two days is an opportunity to improve the relations between sexes," the commission’s members say in the report.


So sieht echte Gleichberechtigung aus. In Deutschland hingegen würde das gesamte feministische Lager in Politik und Medien Kreischanfälle bekommen, wenn dem Männertag und der Frauentag gleiches politisches Gewicht eingeräumt werden sollte.

Die männerpolitische Website A Voice for Men hat ergänzende Informationen.



9. Off-topic: Letzte Woche hatte ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich kritisiert hatte, dass Deutschlands Regierung im rechten Spektrum zunehmend mit dem Dritten Reich gleichgesetzt wird. Inzwischen berichtet sogar meine Lokalzeitung darüber, hier am Beispiel eines Facebbok-Postings, das die AfD Rheingau-Taunus teilte:

Ohne die bezahlten Klatschaffen und Claqueure von Freisler-Verschnitt Heiko Maas werden die Ausflüge von Schlepperkönigin Merkel momentan [...] zum Spießrutenlauf.


Roland Freisler war der berüchtigste Strafrichter im nationalsozialisten Deutschland und wird für etwa 2600 Todesurteile verantwortlich gemacht.

Natürlich kann man hier argumentieren, dass die AfD lediglich die Donald-Trump-Methode anwendet und gezielt Entgleisungen lanciert, um sich damit medale Berichterstattung zu sichern. Dennoch fällt auf, in welcher Form die Entgleisungen stattfinden: Barbarisch ist nicht mehr eine Regierung, bei der zahllose Menschen ermordet werden, sondern eine Regierung, die das Leben zahlloser Menschen zu retten versucht. Wird sie auf solche Dinge angesprochen, präsentiert sich die AfD augenblicklich als verfolgte Unschuld. "Klatschaffen", "Freisler-Verschnitt" und "Schlepperkönigin" sind in diesem Denken offenbar sachliche Kritik, wer aber daran Anstoß nimmt oder sich auf diesem Niveau nicht unterhalten möchte, ist bösartig, diskussionsunfähig und gemein.

Mittwoch, Februar 03, 2016

Vermischtes vom 3. Februar 2016

1. Wie die Dresdner Morgenpost berichtet, wurde die AfD gerade von den Grünen dabei erwischt, einen Antrag der Linken aus dem Jahr 2013 abgeschrieben zu haben, in dem es um einen verbesserten Schutz der Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt geht.

Ich war schon gedanklich dabei, aus dieser Meldung ein paar ironische Zeilen für Genderama zu schnitzen, bin aber dann doch so weit Journalist im klassischen Sinne, dass ich erst mal nachrecherchiert habe, was in diesem Antrag überhaupt drinsteht. (Nicht zuletzt dank eurer Spenden habe ich ein bisschen mehr Zeit, jeden Tag auch mal die eine oder andere zusätzliche Recherche durchzuführen.) Und tatsächlich erweist sich dieser Antrag auch aus makulistischer Perspektive als hochspannend. Einige Auszüge aus dem etwas mehr als zwei Seiten umfassenden Text:

Der Landtag möge beschließen:

öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu ergreifen, damit auch Männer als Opfer von häuslicher Gewalt als Zielgruppe berücksichtigt werden sowie ausreichend Hilfeangebote und Schutzeinrichtungen für Männer als Opfer von häuslicher Gewalt vorzuhalten.

(...) Auch Männer sind Opfer von häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer gewaltbetroffener Männer wird als weitaus höher eingeschätzt, als die bereits bekannt gewordenen Fälle. Männer haben in Mecklenburg-Vorpommern zwar Zugang zu den Beratungsangeboten für Gewaltbetroffene, jedoch stehen für sie keine Schutzeinrichtungen zur Verfügung. Um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und um Männer als Opfer von häuslicher Gewalt mit den Hilfeangeboten tatsächlich erreichen zu können, müssen öffentlichkeitswirksame Maßnahmen ergriffen werden.


Diese Passage findet sich in einem Antrag der bösen, bösen LINKEN, die sich, wenn es nach einigen meiner Kritiker geht, niemals nie im Leben nicht um Männeranliegen kümmern werde! Zwei Jahre bevor Andreas Kraußer und ich ähnliche Ansätze der FDP im nordrhein-westfälischen Landtag unterstützen durften, dann aber von Rot-Grün-Orange ausgebremst wurden.

Sobald mehr Linke kapieren, was die Männerrechtsbewegung will und warum die eifernden Diffamierungen gegen uns bösartig irreführend sind, lassen sie sich selbstverständlich auch für unsere Anliegen gewinnen. Es kümmert sich bislang nur kaum jemand darum.

Spannend wird natürlich auch, ob Leute wie Andreas Kemper, die ja sehr emsig gegen die Männerrechtsbewegung wettern, einen Antrag der Linken dann furchtbar finden werden, wenn er inhaltlich von der AfD übernommen wird.



2. Die Süddeutsche Zeitung bringt das derzeitige Erstarken des Populismus in der westlichen Welt mit einer Benachteiligung weißer Männer der unteren Mittelschicht und der Unterschicht in Zusammenhang:

In den meisten westlichen Ländern haben neue Technik und Globalisierung dazu geführt, dass Industriearbeiter und Angestellte, die Routine-Arbeiten verrichten, Jobs und Einkommen verloren. Besonders weiße Männer mussten zusehen, wie sich ihr Status im Verhältnis zu den gut Ausgebildeten und Wohlhabenden, zu Frauen und zu einigen Angehörigen von Minderheiten verschlechterte. (...) Die Sterblichkeit unter weißen, männlichen US-Bürgern mittleren Alters steigt seit den späten 1990er-Jahren.


Absurd wird es, wenn einige ausgerechnet damit gegen die AfD zu punkten versuchen, indem sie herausstellen, dass diese Partei überwiegend von Männern gewählt werde. (Ja, diese Rhetorik gibt es.) Klüger wäre es zu untersuchen, warum sich immer weniger Männer bei den etablierten Parteien gut aufgehoben fühlen.



3. 2015 wurde an Österreichs Gymnasien eine zentrale Abschlussprüfung eingeführt – die "Zentralmatura", ein "Bundesabitur", das einen vergleichbaren Standard quer durch alle Bundesländer erlaubt. Und prompt passiert folgendes: Schriftlich fielen 6,9 % der Mädels und nur 4,3 % der Burschen durch. Das führt sofort zu einer "Alarmstimmung" – während die weit überwiegende Zahl weiblicher Studienbeginner an unseren Unis seit Jahren schlicht hingenommen wird.



4. Der Frauenanteil bleibt in der Politik eher gering. In Hessen zum Beispiel erlässt man schon neue Gesetze, um das zu ändern – Gesetze, die allerdings "keinen verbindlichen Charakter" haben dürfen, um nicht schlichtweg verfassungsfeindlich zu sein. Die Frankfurter Neue Presse berichtet.



5. Wie manche Mütter ihre Söhne zu gewalttätigen frauenverachtenden Machos erziehen, erörtert Joumana Haddad in der "Zeit".



6. Verabschiedet sich Spiegel-Online zumindest partiell von der "Frauen-und-Kinder"-Rhetorik, die regelmäßig nahelegt, wären bei irgendeinem Unglück nur Männer gestorben, wäre die Sache nur halb so schlimm gewesen? Mindestens neun Flüchtlinge ertrunken, darunter Kinder titelte Spiegel-Online gestern. Noch vor kurzem hätte es "darunter Frauen und Kinder" geheißen.

Allerdings heißt es in einem weiteren Artikel von Spiegel-Online wie gewohnt:

Auf Nauru wurden im vergangenen Dezember 537 Flüchtlinge festgehalten, darunter 68 Kinder und 79 Frauen.


Hier wird wieder die alte Botschaft transportiert: Wenn Frauen etwas erleiden müssen, ist es besonders schlimm, wenn es nur Männer trifft, weniger arg.



7. Yahoo wird von einem ehemaligen Mitarbeiter wegen Männerdiskriminierung verklagt:

The superior, Chief Marketing Officer Kathy Savitt, "intentionally hired and promoted women because of their gender, while terminating, demoting or laying off male employees because of their gender," the lawsuit says.

It also alleges that women were treated better by managers in the media group. While men were immediately terminated after receiving low employee scores, women were allowed to appeal their ratings, the suit says.




8. Normalerweise verlinke ich auf Genderama nur ungern englischsprachige Videos, weil mir manchmal Leute mitteilen, dass sie schon mit schriftlichen Texten zu große Probleme hätten. Aber hin und wieder gibt es guten Grund für eine Ausnahme. So wie aktuell mit der Erwiderung Ceara McCords auf ein aktuelles feministisches Propagandavideo: 36 questions an anti-feminist woman has for feminists.



9. Die liberale Feministin Cathy Young setzt sich in einem aktuellen Artikel mit der totalitären Doktrin der Social Justice Warriors auseinander. Ein Auszug:

Unfortunately, Mr. Rosa’s other examples of "social justice" in action — the feminist revival, the new visibility of transgender issues, and opposition to "Islamophobia" — are squarely in train-wreck territory. Not that there’s anything wrong with the principles: most Americans support gender equality, believe transgender people should be able to live as they wish, and reject anti-Muslim hate. But social justice warriors have turned these causes into malignant self-parody. Their feminism frets over men sitting with their legs apart on public transit, seeks dissent-free "safe spaces," and cries oppression at concern about obesity’s health risks. Their transgender advocacy demands respect for customized gender identities with personal pronouns that may change on a whim and crucifies a devoutly progressive filmmaker for a "transphobic" joke which presumes that that female characters are anatomically female. Their anti-Islamophobia trashes feminist critics of conservative Islamism and victim-blames journalists murdered for publishing Mohammed cartoons.

Have the social justice warriors of 2015 supported some worthy causes? Sure. But much of their passion goes into speech and culture policing directed at victimless crimes that violate their moral taboos.

(...) At the center of this world-view is the evil of oppression, the virtue of "marginalized" identities — based on race, ethnicity, gender, sexuality, religion, or disability — and the perfectionist quest to eliminate anything the marginalized may perceive as oppressive or "invalidating." Such perceptions are given a near-absolute presumption of validity, even if shared by a fraction of the “oppressed group.” Meanwhile, the viewpoints of the "privileged" — a category that includes economically disadvantaged whites, especially men — are radically devalued.

(...) Some conservatives describe SocJus as "cultural Marxism"; it has also been compared to Maoism, and particularly to the Cultural Revolution, with its focus on re-education and public confessions of ideological errors. But, as atheist blogger Rebecca Bradley has argued, the movement also has many elements of an apocalyptic religious cult that sees the world as mired in sin and evil except for a handful of the elect.




10. Off-topic: Ein Facebookposting des Mainzer Arztes Raphaele Lindemann, in dem dieser seine Erfahrungen mit der medizinischen Erstversorgung von Flüchtlingen schildert, wurde inzwischen von knapp 300.000 Menschen geteilt.

Lindemann schildert darin einige Beispiele seiner Arbeit:

Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung, wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen.

(...) Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen anderen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgte sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gekentert war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei. Ihre zwei anderen Kinder sind bereits auf der Flucht im Meer ertrunken weil sie keine Kraft mehr hatte….So eine Sozialschmarotzerin aber auch!


Auf die Anfeindungen gegen ihn und alle anderen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, es handele sich um naive Gutmenschen, entgegnet Lindemann:

Ich kann Euch versichern, dass es absolut unmöglich ist, z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500km in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist und dabei durch eine "naive rosarote Gutmenschbrille" zu schauen. Oder einen 4 Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hier her geschafft wurde und sich dann den Vorwurf der Weltfremdheit anzuhören. Das hier ist die Welt! Und das hier ist sehr real und nirgends "rosarot"! Der Vater der 3 Kinder kam übrigens in Syrien ums Leben.


Was ist mit der beängstigenden Männerflut, von der so viele angstbebend sprechen?

Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsreglung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40% davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.


Aber ... Smartphones! Die haben Smartphones!!!

Übrigens haben die Flüchtenden natürlich ihre Smartphones dabei. "Die" haben vorher nicht in der Steinzeit gelebt und sind aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen. Und vielen ist es zunächst wichtiger ihre Handys aufzuladen, als etwas zu Essen zu bekommen. Und dreimal dürft ihr raten warum? Was habe ich als erstes gemacht, als ich, bequem mit meinem Auto, trotz Glatteis, sicher im 500 km von zu Hause entfernten Camp angekommen bin? Dass sie ein Lebenszeichen an die Lieben schicken zu wollen, wird diesen Menschen allerdings regelhaft zum Vorwurf gemacht und als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit gesehen. Mit Verlaub - das ist weltfremd und obendrein arschig! Als würde es eine Pflicht geben, sich vor einer Flucht in Lumpen zu hüllen und bloß alle Wertgegenstände zurück zu lassen – inklusive der einzigen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen in Form eines Telefons.


Gut, aber ist diese verschissene Gutmenschlichkeit nicht verheerend für unsere deutsche Nation?

In der aktuellen Situation müssen wir uns verdeutlichen, welchen Selbstanspruch wir an unsere Kultur haben. Natürlich könnten wir die Grenzen dicht machen und so tun als wäre Merkel an allem Elend dieser Welt schuld. Aber glaubt denn wirklich irgendwer damit wäre das Problem gelöst? Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten? Nur weil wir es dann nicht mehr sehen und im Fernsehen einfach bequem umschalten können? Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf fb das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?

Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger?

Durch ihr "wir schaffen das" hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat anstatt ihr übliches Teflonspiel des Aussitzens zu treiben. Und nie hat jemand behauptet, dass es eine leichte Herausforderung wäre. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer von all den Hetzern ist denn WIRKLICH so arm, dass er befürchten muss durch die Flüchtlinge plötzlich weniger vom deutschen Wohlstandskuchen abzubekommen? Ist bisher WIRKLICH jemand deshalb ärmer geworden? Ist WIRKLICH jemand deshalb aus seiner Wohnung geflogen? Ist WIRKLICH jemand von einem bösen Asylanten aufgegessen worden? Und damit meine ich nicht denjenigen, der einen kennt, dessen Großcousine einen Nachbarn hat blabla.


Lindemanns Fazit:

Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das.


Gleichzeitig hat es das rechte Spektrum geschafft, dass in den letzten Tagen nicht mehr darüber diskutiert wurde, wie wir den Flüchtlingen helfen können, sondern welche von ihnen wir erschießen dürfen, wenn sie hier eine Zuflucht suchen. (Derzeitiger Stand: Frauen und Männer ja, Kinder nein.) Es fehlt in diesen Kreisen eigentlich nur noch Gejammer darüber, dass Leute wie Lindemann mit ihrem Extremismus die deutsche Gesellschaft spalten würden.

Immerhin sieht Wiglaf Droste eine positive Seite der Debatte darüber, ob man Flüchtlinge nicht einfach abknallen darf:

Zu danken aber ist Petry und von Storch für die Korrektur eines verheuchelten Bildes von Weiblichkeit, in dem Frauen stets Opfer und ausschließlich Männer Täter sind.

Dienstag, Februar 02, 2016

Vermischtes vom 2. Februar 2016

1. Das MedicineNet weist auf eine neue US-Regierungsstudie hin, die am 29. Januar im wissenschaftlichen Fachjournal "Pediatrics" veröffentlicht wurde. Ihr zufolge werden Jungen so häufig wie Mädchen Opfer von "Dating Violence":

It turned out that boys were about as likely as girls to say they'd been victims of some form of dating violence. The pattern was also corroborated by girls' reports: They commonly admitted to being perpetrators.

"To the average person, this is probably surprising," said Monica Swahn, a professor of epidemiology at Georgia State University who has studied dating violence.

"Parents and pediatricians may underestimate how common dating violence is, and how often boys are victims," said Swahn, who was not involved in the study.

(...) Overall, almost 11 percent of boys said they'd been physically abused by a dating partner at least three times. That compared with slightly less than 8 percent of girls. And a similar percentage of girls and boys -- around 4 percent -- said they'd been injured.

When it came to psychological abuse, 29 percent of boys and almost 34 percent of girls said they'd been victimized at least three times. Slightly more than 14 percent of boys and 12 percent of girls said they'd been sexually victimized that many times.


Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen über Gewalt in der Partnerschaft, die ich auf Genderama (und in diversen Büchern seit dem Jahr 2001) immer wieder vorgestellt habe. Auf geschlechterbezogene Gewaltprävention hatten sie alle hierzulande niemals einen Einfluss. Das alte "Opfer-Abo" des weiblichen Geschlechts steht unerschüttert. Auch das sogenannte "Bundesforum Männer" zeigt sich in keiner Weise motiviert, sich in diesem Bereich besonders zu engagieren.



2. Das Magazin "Fluter" der Bundeszentrale für politische Bildung berichtet über den MacGyver-Test, mit dem man sexistische Darstellungen von Männern in Filmen untersuchen kann. Der MacGyver-Test war schon im Mai letzten Jahres bei Genderama Thema, aber da dieses Blog ständig neue Leser hat, ist es wohl sinnvoll, noch einmal darauf hinzuweisen. Außerdem ist es natürlich erfreulich, dass die Bundeszentrale für politische Bildung Genderama-Inhalte nach nur einem halben Jahr aufgreift. Normalerweise ist die Väter- und Männerrechtsbewegung eine jahre- bis jahrzehntelange Verzögerung gewohnt.



3. Bekanntlich toben im US-Bundesstaat Iowa gerade die Vorwahlen zur Präsidentschaft in den USA. In einer Zeitung der Hauptstadt dieses Bundesstaats, dem Des Moines Register, nennt die Studentin Anna Sennef anlässlich der Auftritte Hillary Clintons 15 Gründe, weshalb sie mit dem Feminismus nichts anfangen kann:

Feminism is something that has spread through my generation like a wildfire. It’s a noble cause at its core, however, I can’t help but feel that this third wave of feminism has gone too far. The general idea being projected is that if you care about human rights, you have to be a feminist, and if you’re not a feminist, you’re wrong. It’s become almost dangerous to voice disagreement with feminism, and I was definitely hesitant to post this. But that’s exactly why we need to talk about it. I am not a feminist, and here’s why.

1. Because I think that despite men having a more privileged role historically, men’s rights and issues are something we can’t ignore.


Hier geht es weiter.

4. John Cleese ("Monty Python" etc.) hat die Faxen dicke, was US-Colleges angeht.



5. Wolfgang Herles ist vielleicht nicht der beste Garant für Verschwörungstheorien über angebliche Anweisungen der Regierung, wie unsere Medien berichten sollen. An anderer Stelle erklärt Herles nämlich:

Nein, das bestreite ich vehement, da ist nichts von oben befohlen. Fernsehen funktioniert als große Simplifizierungsmaschine. Komplexität wird nicht zugelassen aus Quotengründen.




6. Die Welt meldet einen neuen Fall von Empörung im Kreml über den erschütternden Missbrauch einer Russlanddeutschen und der furchtbaren Folgen:

Zudem habe das Russenmädchen, das 1988 mit seinen Eltern nach Rheinland-Pfalz kam, mit verschlüsselten Hilferufen wiederholt auf ihr Schicksal aufmerksam machen wollen. "Sie beklagte Atemnot in der Nacht, aber keiner half ihr", so der entsetzte russische Außenminister.




7. Off topic: Neuestes Popmusik-Spielzeug im Internet: Die Infinite Jukebox, mit der man seinen Lieblingssong auf unendlich strecken kann. Hab ich natürlich gleich mit "How Soon is Now?" ausprobiert – anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber ganz nett. Wie ich feststelle, gibt es Lieder, die bei dieser Methode völlig zerhauen werden, zum Beispiel Kula Shakers "Tattva", und andere die dafür wie gemacht scheinen, etwa Grimes "Oblivion". Der am meisten durch die Infinite Jukebox gejagte Song scheint Carly Rae Jepsens "Call Me Maybe" zu sein, Klar, dass Hauptproblem mit dem der Song im Original ist ja bekanntlich, dass er viel zu kurz ist ... Ich stelle fest, nach den ersten 30 Minuten "Call Me Maybe" lassen sich ganz klare Stimmungsveränderungen feststellen .... Beeindruckend, was wir mit modernster Technik heute alles leisten können!

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Montag, Februar 01, 2016

Vermischtes vom 1. Februar 2016

1. Auf den Seiten der "Zeit" setzt sich Adam Soboczynski mit der aktuell verschiedentlich erhobenen Forderung auseinander, deutsche Männer hätten die in Köln zu Silvester sexuell belästigten Frauen besser vor den Übergriffen schützen sollen. Sein Fazit:

Man darf vom deutschen Mann nicht erwarten, dass er seine Frau beschützt. Das entspricht nicht seiner zeitgemäßen Rolle, und ein solcher Anspruch wäre letztlich auch ein Affront gegen die Gleichberechtigung. Die meisten Männer (nicht alle!) sind zwar aufgrund ihrer biologischen Ausstattung schlagkräftiger als Frauen, aber unwillig (und womöglich auch unfähig) zuzuschlagen. Frauen, die gerne beides hätten, den durchgegenderten Mann und den Beschützer, denen muss man leider sagen: Beides geht nicht!


Einer der Kommentatoren in der maskulistischen Bloggerszene – ich weiß leider nicht mehr wer – sagte zu dieser Frage bereits das Wesentliche: Wenn sich die männlichen Freunde der belästigten Frauen mit den Verbrechern eine ernsthafte Auseinandersetzung geliefert hätten, wäre in den Medien von einer Massenprügelei von Männern berichtet worden, bei der es um Frauen ging, und das feministische Lager hätte eine neue Kampagne gegen "toxische Männlichkeit" hochgezogen, gegen die dringend etwas unternommen werden müsse.



2. Dem "Mob" der Netzfeministinnen und seiner "Hetzjagd" auf Andersdenkende widmet sich Sascha Pallenberg in seinem Blogbeitrag Yasmina Banaszczuk, Wizorek, Leopold und die Hetzjagd der "Femtrolle".

Währenddessen veröffentlicht "Bento", das Jungend-Portal des Magazins SPIEGEL, den Beitrag Hass im Netz. Autorinnen kommentieren Kommentare, in dem das Bild einer Elite von Frauen im Kampf gegen männlichen Pöbel gezeichnet wird. Die Kommentare unter dem Artikel sind kritisch bis ablehnend.



3. "Es ist falsch und gefährlich, allen Kindern zu erzählen, dass ihre Geschlechtsidentität fließend sei" findet Melanie Phillips im "Spectator", einem der führenden politischen Magazine Großbritanniens:

Once upon a time, ‘binary’ was a mathematical term. Now it is an insult on a par with ‘racist’, ‘sexist’ or ‘homophobic’, to be deployed as a weapon in our culture wars. The enemy on this particular battleground is anyone who maintains that there are men and there are women, and that the difference between them is fundamental.


Hier geht es weiter.



4. In einem rührenden Artikel widmet sich der San Francisco Globe einer Ehefrau, die ihren Mann für einen faulen Hund hielt, der nur auf der Couch herumgammelte und sich an der Hausarbeit nie beteiligte – bis sie anhand der Löcher in den Sohlen seiner Arbeitsschuhe erkannte, wie schwer er täglich schuftete und dass er nach Feierabend einfach völlig erschöpft war. Normalerweise würde ich ja sagen: "Och kommt – gibt es wirklich viele Frauen, die glauben, dass die Arbeit ihrer Männer nicht existiert, wenn sie sie nicht sehen?" Aber diverse feministische Artikel überzeugen einen dann doch von der Existenz dieses Volks.



5. Auch in Indien wächst die Zahl der MGTOW-Männer, die Beziehungen mit Frauen vermeiden.



6. Off-topic: Wolfgang Herles, der lange in leitenden Positionen beim ZDF arbeitete, behauptete am Freitag, das ZDF habe für seine Berichterstattung klare "Anweisungen von oben". Der Medienexperte Stefan Niggemeier zeigt, wie diese Anweisungen konkret aussehen.

Außerdem: Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über die erste breit angelegte Studie "Linksextremismus in Deutschland", die Gewalttaten und demokratiefeindliche Auffassungen im linken Spektrum beleuchtet.

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