Montag, November 20, 2017

Männertag, "Bordell Deutschland", Sexismusdebatte weckt Feminismuskritik – News vom 20. November 2017

1. Gestern sind noch einige weitere Beiträge zum Internationalen Männertag erschienen.

In Bascha Mikas "Frankfurter Rundschau" weiß Boris Halva mit dem politischen Gehalt dieses Tages erwartungsgemäß wenig anzufangen, und da sein Horizont seine Welt darstellt, erklärt er diesen Tag für eher irrelevant:

Im Grunde genommen also ist der Platz hier hinten in der Zeitung genau der richtige. Man sollte den Internationalen Männertag, der auch nur einer dieser Tag-Tage ist, nicht allzu hoch hängen. Es gibt Wichtigeres zu tun da draußen, und zwar für alle, als darüber zu reflektieren, wie der Dialog der Männer mit sich selbst und den Frauen so gestaltet werden kann, dass ein gutes Miteinander möglich ist und selbstverständlich wird.


Eine Gegenposition zur "Frankfurter Rundschau" beziehen die Human Rights News. Sie erklären, warum die Menschenrechte sogar von Männern keineswegs auf den Platz "hinten in der Zeitung" gehören.

Im britischen Telegraph hingegen freut sich Mark Brooks, dass jahrelange Beschwerden durchaus Erfolge zeigen. Das trifft für Großbritannien durchaus zu, womit dieses Land aus deutscher Sicht eine Utopie darstellt, die wir erst noch ansteuern müssen:

Ich verfolge dieselbe Routine seit sechs Jahren. Das war zwar konstant, aber der Tag selbst hat sich stark verändert. Jedes Jahr wird er größer, wichtiger, bedeutungsvoller. Und jedes Jahr wird ihm mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Es war ein langer Kampf, aber es fühlt sich so an, als wären wir gesellschaftlich zu den Herausforderungen aufgewacht, vor denen Männer und Jungen stehen.

In diesem Jahr, über den ganzen Monat verteilt, gibt es in Großbritannien weit über 70 Veranstaltungen - die meisten weltweit und die meisten jemals in diesem Land (wir waren noch mit einem Dutzend zufrieden im Jahr 2012). Alle sind von immer mehr Frauen, Männern und Organisationen im ganzen Land geprägt. Zu den Veranstaltungen gehören Parlamentsdebatten (im dritten Jahr in Folge), Gemeindeveranstaltungen, Männergesundheitsveranstaltungen, Geschäftsveranstaltungen, studentische Veranstaltungen, politische Veranstaltungen, Forschungsstarts, Albumstarts, Musikvideopremieren, Toolkitstarts, Debatten, Ausstellungen, Konferenzen, Wettbewerbe, Comedy-Abende und Fundraiser. Sogar ein Angelwettbewerb auf Deal Pier!

Wichtig ist, dass der Weltmännertag zu einem wichtigen Tag für Wohltätigkeitsorganisationen geworden ist, um sich auf ihre Themen zu konzentrieren und Konferenzen, Kampagnen und Veranstaltungen abzuhalten. Dazu gehören die ManKind Initiative, CALM, Men Get Eating Disorders Too, Survivors Manchester und Mankind Counselling, um nur einige zu nennen. Mit "Movember" beginnt natürlich der Monat, und wir haben auch einen vom Parlamentsabgeordneten Virendra Sharma organisierten Parlamentarischen Empfang.

Wohrer also kommt es, dass das der Welttag des Mannes so in seiner Bedeutung wächst? (...) Ganz einfach - es liegt an der Erkenntnis, dass das Wohlbefinden von Männern und Jungen wichtig ist. Ihr Wohlergehen war schon immer wichtig für ihre Angehörigen, Familie und Freunde. Inzwischen ist man sich jedoch bewusst, dass ihr individuelles und kollektives Wohlergehen auch für Arbeitgeber, Gemeinden und die Gesellschaft insgesamt wichtig ist. Für das ganze Land ist es wichtig.

Aus der Gleichstellungsperspektive ist man sich darüber im Klaren, dass die Gesellschaft nicht tatenlos herumsitzen kann, ohne Maßnahmen zu ergreifen, um Themen wie den Selbstmord des Mannes (heute nehmen sich 12 Männer das Leben) und Obdachlosigkeit (weit über 3.000 Männer werden heute Abend auf der Straße schlafen) anzugehen. Das sind selbstverständlich geschlechtsspezifische Fragen: Sie zu ignorieren, wäre gleichbedeutend mit Sexismus.

Die Politik versucht nun, aufzuholen. Wie der Abgeordnete Jo Swinson in der Parlamentsdebatte diese Woche so eloquent sagte:"... unser Fokus liegt oft darauf, wie Frauen und Mädchen durch die Ungleichheit der Geschlechter geschwächt werden, und es ist richtig, dass wir diese Fragen untersuchen. Es ist aber ganz sicher so, dass auch Männer und Jungen von der Ungleichheit der Geschlechter negativ betroffen sind."

Diejenigen, die sich persönlich für das Wohlergehen von Männern und Jungen einsetzen, haben den Internationalen Männertag zu einem Massenphänomen gemacht - nicht durch Diktat oder irgendeinen Think Tank, Politiker, durch akademische oder wirtschaftliche Marken. Es wurde von allen geschaffen und gehört daher uns allen.


Die verbesserte Laune, die beim Lesen dieser Absätze entsteht, wird allerdings getrübt, wenn man sich anschaut, wie Twitter diesen Tag begeht (vor allem im indischen Raum). Dort hat ein Deo-Hersteller den Hashtag #NotaMan ins Leben gerufen, der zeigen soll, welches verheerende Leid Frauen auf körperlicher, geistiger oder emotionaler Ebene zugefügt wird. Hier herrscht also das bekannte Muster: Am Weltfrauentag ehren und preisen wir die Frau, am Weltmännertag verdammen wir den Mann. Menschen, die das kritisierten und stattdessen auf Männerprobleme aufmerksam machen, sind dem verlinkten Artikel zufolge "völlig aus dem Gleis geraten".

Ähnlich irre argumentiert Bernhard Jenny in Österreichs "Standard". Mann sein heißt ihm zufolge, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen: "Es hat einige Jahre meines Lebens gebraucht, bis ich begriffen habe, dass ich als Mann zu den Profiteuren eines Frauen diskriminierenden Gesellschaftssystems gehöre. Wir Männer sind das Problem, wenn wir die Verantwortung zur Beendigung der Diskriminierung nicht übernehmen." Davon, dass Männer eigene Anliegen haben, findet man in dem Artikel keine Silbe.

Einer meiner Leser schrieb mir gestern zu diesem Thema:

Außer in deinem Blog habe ich bisher wenig über den Weltmännertag nachlesen können. Es ist jetzt 11.45 Uhr. Ich haben Zeit-Online, Spiegel-Online, tagesanzeiger,ch, Badische Zeitung, taz, SZ, Schwaebisch.de, Neue Rotweiler Zeitung und Stuttgarter Zeitung hinter mir. Keines der Onlineportale hat einen Artikel auf der Startseite. Die Stuttgarter berichtet stattdessen noch vom Welttoilettentag, der wohl vor zwei Tagen war.

Da weiß Mann doch, wo Mann steht.




Themawechsel.



2. "Bordell Deutschland" hatte das ZDF eine am 18. November 2017 ausgestrahlte Dokumentation über die angeblich dramatische Situation im deutschen Sexhandel betitelt. Warum es sich dabei um "Fake News" handelt, begründet die Selbsthilfeorganisation vür Prostituierte Doña Carmen in einer minutiösen Analyse - die natürlich nicht mal einen Bruchteil der medialen Aufmerksamkeit durch andere Journalsiten erhält wie die reißerischen Darstellungen des ZDF.



3. Ein US-amerikanischer Richter möchte einen Kontrapunkt zur männerfeindlichen MeToo-Hysterie setzen und berichtet deshalb aus seinem offenbar sehr aktiven Sexleben. Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, sind die üblichen Verdächtigen entrüstet:

Die Präsidentin des Obersten Gerichts von Ohio, Maureen O’Connor, äußerte sich entsetzt: Diese "schockierende Geringschätzung gegenüber Frauen" untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz, erklärte sie. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei von Ohio, David Pepper, warf dem Kandidaten vor, die "wichtige Debatte" über sexuelle Übergriffe zu "trivialisieren". In dieser Debatte gehe es "nicht um einvernehmliche Begegnungen von Erwachsenen". Die republikanische Gouverneurskandidatin Mary Taylor kritisierte die Äußerungen als "herablassend".




4. In der Wochenzeitung "Freitag" erklärt ein Autor, der sich explizit als Linker bezeichnet, wie er durch die Art und Weise, wie die Sexismusdebatte geführt wird, zum Gegner des Feminismus geworden ist. Ein Auszug:

Ich finde, es ist nicht dasselbe, ob Luis CK vor erwachsenen Frauen masturbiert, nachdem er sie um ihre Erlaubnis gefragt hat, oder ob er einfach ungefragt seinen Penis rausholt. Der erste Fall ist eine sexuelle Spielart und meines Erachtens legitim, insbesondere in einer Situation, in der er keine explizite Macht über die Frauen ausübt, wenngleich er das selbst anders zu sehen scheint. Das zweite ist Exhibitionismus, für den es gesetzliche Strafen gibt. Ich halte es nicht für sexuelle Belästigung, wenn ein Mensch einem anderen Menschen zuzwinkert, wie es laut einer kürzlich erfolgten Umfrage z. B. in Frankreich die Mehrheit der Bevölkerung zu glauben scheint. Ich bin nicht der Meinung, dass die Beweislast aufgrund der inhärent komplizierten Beweisführung im Fall von Vergewaltigung umgekehrt werden sollte, wie teils implizit teils explizit gefordert wird. Ich glaube, Woody Allen, ein offiziell von Missbrauchsvorwürfen freigesprochener Mann, sollte nicht als Exempel für das verrottete System Hollywood herangezogen werden. Ich finde, Jörg Kachelmann verdient eine vollständige Rehabilitation seiner Person. Ich halte es für falsch, wenn Minister*Innen in laufenden Prozessen Partei ergreifen. Eine Berührung des Pos ist für mich ein sexueller Übergriff, der zwar bestraft werden muss, für den Freiheitsentzug jedoch ein zu hohes Strafmaß ist. Ich vertrete die Position, dass die Unschuldsvermutung nicht nur vor Gericht, sondern auch in der öffentliche Debatte eine herausragende Rolle spielen sollte. Wer diese Positionen für sexistisch hält, der darf mich gerne Sexist nennen.




5. Ausgerechnet in der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Artikel mit Argumenten, die normalerweise mit dem Etikett "antifeministisch" tabuisiert werden. Beispielsweise erklärt er, wie Feminismus und Gender gegen die Freiheit der Wissenschaft arbeiten und was der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung ist.



6. "Alte weiße Männer? Es nervt!" findet die Bloggerin Claudia Klinger in einer Kritik Michael Seemanns.



7. Im liberalen Magazin Sp!ked schildert Joanna Williams, wie Feminismus immer mehr zu einer Frontstellung von Frauen gegeneinander führt. Ein Auszug:

Der Feminismus hat schon lange Männer gegen Frauen ausgespielt. Aber er spielt zunehmend auch Frauen gegen Frauen aus. Frauen, die Männer nicht als problematisch empfinden, die sich weigern, zu akzeptieren, dass das Patriarchat die Wurzel all ihrer Schwierigkeiten ist, werden abwechselnd bemitleidet, weil sie an verinnerlichter Frauenfeindlichkeit leiden, und als Verräterinnen verabscheut. Die Sexuelle-Belästigungs-Panik macht deutlich, dass es einige Typen von Frauen gibt, die von Feministinnen gebilligt werden – Frauen nämlich, die mutig und detailiert schildern, wie jemand angeblich ihr Knie berührt habe - während andere Frauen, die sich weigern, sich an den Bemitleidet-mich- Geschichten zu beteiligen, mit dem Vorwurf beschämt werden, sie würden Opfern die Schuld zuweisen.

Anfang dieser Woche habe ich an einer Debatte über sexuelle Belästigung bei den Channel 4 News teilgenommen. Neben mir saß Ann Leslie, eine der großen Reporterinnen des 20. Jahrhunderts und Auslandskorrespondentin zu einer Zeit, als solche Berufe noch als ungeeignet für Frauen galten. Leslie reiste oft allein durch die Welt und berichtete von Moskau nach Simbabwe, von Berlin, als die Mauer fiel, aus Südafrika, als Mandela freigelassen wurde. Trotz ihres Alters und ihrer körperlichen Gebrechlichkeit brachte ihr Sinn für Humor und ihre Lebendigkeit eine dringend benötigte Sichtweise in die Diskussion.

(...) Leslie argumentierte, dass Feministinnen heute "ihre Zeit damit verbringen zu sagen, dass Frauen traumatisiert sind, weil ein dummer alter Trunkenbold im Parlament seine Hand auf ihr Knie oder so etwas Ähnliches legt". Sie hat Vergewaltigung keineswegs trivialisiert oder gesagt, dass Frauen sexuelle Belästigung einfach hinnehmen sollten. Vielmehr ging es ihr darum, dass das Wehklagen über die Berührung eines Knies Frauen offen gesagt ein bisschen erbärmlich erscheinen lässt, und man nicht einerseits Frauen als stark und machtvoll darstellen kann, um dann wieder zu sagen, dass sie Angst haben und dass sie weinen werden.

Wie auf Kommando stürmten Keyboardfeministinnen Twitter, um sich bei Channel 4 News zu beschweren, weil sie eine Plattform für diese "furchtbare Frau" boten. WAS HABE ICH DA GERADE GESEHEN? schrien sie unisono. Warum, so verlangten sie zu wissen, wurde dieser "Dinosaurier exhumiert" und ihm Sendezeit gegeben? "Frauen, die sexuelle Belästigung melden, sind so mutig", erscholl der Chor. Die Leiterin der Kommunikationsabteilung von Channel 4 News schürte die Empörung: "Ann Leslie behauptete, dass Frauen, die sexuelle Gewalt melden, schwach seien". Tatsächlich argumentierte Leslie, dass gerade weil Frauen stark, mächtig und kompetent sind, ihr Geschrei über die Berührung eines Knies so erniedrigend ist.

(...) Im Verlauf der Sexuelle-Belästigungs-Panik haben andere Frauen ein ähnliches Schicksal erfahren. Anne Robinson, eine weitere Journalistin und TV-Moderatorin, provozierte Empörung mit ihrer Behauptung, dass moderne Frauen "zerbrechlich" seien. Robinson sagte: "Vor 40 Jahren gab es nur sehr wenige von uns Frauen an der Macht, und ich muss sagen, wir hatten eine sehr viel robustere Haltung gegenüber Männern, die sich schlecht benahmen." Ironischerweise beweist der Furor über ihre Worte, dass sie einen wunden Punkt getroffen hat.

"Die gläserne Decke scheint zertrümmert worden zu sein ", argumentierte Robinson,"aber nebenher läuft eine Zerbrechlichkeit unter Frauen, die dem Klima am Arbeitsplatz nicht gewachsen sind ". Für diese Worte wurde sie als "total daneben","verwirrt" und als jemand gebrandmarkt, die sich der Prahlerei über ihre eigene Leistung hingibt. "Wegen Kritikerinnen wir dir, Anne", informierte man sie herablassend, "braucht es viel mehr Mut und Selbstvertrauen, um über Belästigung am Arbeitsplatz zu reden."




8. Lucas Schoppe beschäftigt sich mit der Marburger Millionenstudie, die offenbar Kritik an der feministischen Ideologie denunzieren soll: "Natürlich kam mir gleich die Frage in den Sinn, warum Antifeministen dem Ministerium so wichtig sind, eine Million Euro für ihre Erforschung auszugeben – aber nicht wichtig genug, einfach mal mit ihnen zu reden."

Ein weiterer Auszug:

Wenn aber Wissenschaftler politische Positionen wissenschaftlich erforschen möchten, die ihrer eigenen Position widersprechen – wenn sie diese Positionen gar gerade wegen dieser Kritik erforschen möchte – dann müssen sie sich natürlich über ihre eigenen Voreingenommenheiten im Klaren sein und Sorge tragen, dass diese Voreingenommenheiten ihre Ergebnisse nicht beeinflussen.

Die Projekt-Betreiberinnen aber machen konsequent das Gegenteil: Schon bevor ihr Projekt überhaupt begonnen hat, belegen sie ihre politischen Gegner so konsequent mit politisch und moralisch abwertenden Begriffen, dass jegliche Voreingenommenheit als berechtigt erscheint. Das ist eben genau das Gegenteil eines wissenschaftlichen Arbeitens.

(...) Im Teilprojekt "Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten" werden Kritiken an genderpolitschen Stellungnahmen und am wissenschaftlichen Selbstverständnis umstandslos als "Antifeminismus" verbucht. Mit einer Selbstverständlichkeit, die sie nirgends begründen, räumen die Autorinnen auch hier nicht einmal die bloße Möglichkeit ein, dass eine solch breite Kritik aus guten Gründen geäußert werden könnte.

Dabei könnten sie Zweifeln an der Wissenschaftlichkeit ihrer Forschung ja leicht damit begegnen, dass sie die wichtigen Ergebnisse der Gender-Forschung und ihre wissenschaftliche Relevanz präsentieren. Wenn sie stattdessen lediglich ihren Kritikern politischen Motive unterstellen, demonstrieren sie damit unglücklicherweise vor allem, dass sie sich dazu nicht in der Lage sehen.

Wer aber Hunderttausende aus öffentlichen Geldern für Projekte erhält, die er als wissenschaftliche "Forschung" präsentiert, der hat natürlich eine Bringschuld, auch nachzuweisen, dass diese Gelder seriös verwendet werden. Es reicht nicht, stattdessen lediglich Kritiker politisch zu diffamieren, sie als unseriös, gewaltbereit und rückständig zu präsentieren.

Den Reichtum an Schriften, die diesen Eindruck stören, kommt in der Projektbeschreibung nicht vor. Sie erwähnen zum Beispiel nicht einmal die Studie von Christine Bauer-Jelinek und Johannes Meiners zur deutschsprachigen Männerrechtsszene oder Arne Hoffmanns umfassendes "Plädoyer für eine linke Männerpolitik". Dort stellt er sein Konzept eines "integralen Antisexismus" vor, das sich gegen geschlechterbedingte Benachteiligungen BEIDER Geschlechter richtet. Die von den Marburgerinnen behauptete "Forschungslücke" entsteht lediglich dadurch, dass sie die einschlägigen Texte zum Thema nicht zur Kenntnis nehmen.

Das ist schade, und es ist angesichts der eingesetzten öffentlichen Ressourcen auch ein erhebliches Versäumnis. Tatsächlich schafft nämlich gerade die Kritik an feministischen Positionen ein großes Potenzial, Geschlechterverhältnisse zu liberalisieren. Wer die Selbstbeschreibungen heutiger Feministinnen als "emanzipatorisch", "progressiv" oder "modern" nicht selbstverständlich übernimmt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass von ihnen tatsächlich überkommene Geschlechtermuster betoniert werden: Männer erscheinen konsequent als aggressiv, offensiv, aktiv, schuldhaft, sexualisiert – Frauen als defensiv, passiv, schuldlos.

Gerade eine liberale Männerrechtsbewegung beschreibt Männer anders, weist auf die Verletzbarkeit auch von Männern hin, auf spezifische Schwierigkeiten von Jungen, auf das Bedürfnis von Vätern, für ihre Kinder zu sorgen. Diese Neubeschreibungen von Männlichkeit, die eben gegen den Feminismus entworfen werden und nicht mit ihm, schaffen natürlich auch für Frauen neue Möglichkeiten.

Die vom Bildungsministerium eingesetzte knappe Million zeigt daher auch, wie erheblich die Mittel sein müssen, die eingesetzt werden, um die in Bewegung geratene Diskussion weiterhin still stellen zu können.

Sonntag, November 19, 2017

So begeht die Welt den Tag des Mannes

Auch wenn die Artikel in der Presse sehr viel spärlicher als beim Weltfrauentag ausfallen, ist der Internationale Tag des Mannes heute doch in den verschiedensten Ländern dieser Erde Thema.

In Großbritannien etwa berichtet die Daily Mail:

Der Internationale Tag des Mannes wird jedes Jahr in mindestens 60 Ländern begangen und ist ein Tag, an dem ernste Themen angesprochen werden, die Männer und Jungen betreffen.

Die britische Premierministerin Theresa May erkennt "die wichtigen Themen an, die bei dieser Gelegenheit besonders hervorgehoben werden sollen, darunter die Gesundheit der Männer, die Selbstmordrate der Männer und die unzureichende Leistung der Jungen in den Schulen - dies sind ernste Fragen, die auf überlegte Weise angegangen werden müssen".

Auf der offiziellen Website des Internationalen Tag des Mannes heißt es, dass die Ziele des Tages "die Gesundheit von Männern und Jungen, die Verbesserung der Geschlechterverhältnisse, die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und die Hervorhebung positiver männlicher Vorbilder" umfassen. Es ist eine Gelegenheit für Männer, ihre Leistungen und Beiträge zu würdigen, insbesondere ihren Beitrag zur Gemeinschaft, Familie, Ehe und Kinderbetreuung, und gleichzeitig auf Diskriminierungen gegen sie hinzuweisen.

Mit Unterstützung der UNESCO wird am 19. November eines jeden Jahres der Internationale Tag des Mannes rund um den Globus begangen. Die Feierlichkeiten teilen sich eine 48-stündige Partnerschaft mit dem Weltkindertag am 20. November, der von den Vereinten Nationen unterstützt wird.

Der Tag lädt jeden Mann, jede Frau, jedes Mädchen und jeden Jungen ein, sich mit Themen wie den folgenden auseinanderzusetzen:

Selbstmordrate der Männer

Herausforderungen in der Bildung

kürzere Lebenserwartung

Todesfälle am Arbeitsplatz

Marginalisierung

männliche Opfer sexueller Gewalt

Herausforderungen für Väter

negative Darstellung von Männern und Jungen

Das globale Thema des Internationalen Männertages 2017 lautet "Männer und Jungen in ihrer ganzen Vielfalt feiern". Wie jedes Jahr geht es auch in diesem Jahr darum, Männern und Jungen die Chance zu geben, ihr Leben zu verbessern, aber dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf ihrer Vielfalt.

"Die Erfahrungen von Männern und Jungen sind so unterschiedlich wie ihr Alter und Bildungsgrad, ihre Religion, Ethnizität, Sprache und Kultur", wurde das Schwerpunktthema etwas früher in diesem Jahr angekündigt. Die Koordinatoren des Weltmännertages verzichten darauf, einen "Dieselbe-Größe-passt-allen"-Ansatz zu fahren und schaffen Instrumente, die Männer und Jungen machtvoller machen und damit ihre Gemeinschaft stärken.

Der Internationale Männertag wurde am 19. November 1999 von Dr. Jerome Teelucksingh, Fakultätsmitglied des Fachbereichs Geschichte an der Universität der Westindischen Inseln in Trinidad und Tobago, eröffnet. Teelucksingh wollte die Beiträge und die Opfer von "alltäglichen Männern" würdigen, unabhängig von Alter, Begabung, sozialer Herkunft, Ethnizität, Sexualität, Geschlechtsidentität, religiöser Überzeugung und Beziehungsstatus.

Im Jahr 2017 gibt es im Vereinigten Königreich insgesamt 65 Veranstaltungen und Kampagnen am Weltmännertag und über den Monat verteilt, die alle darauf abzielen, Themen zu diskutieren, mit denen Männer und Jungen konfrontiert sind, und ihre Lage zu verbessern.

Der Weltmännertag fällt auch mit dem "Movember" zusammen, der Männer dazu anregt, sich einen Schnurrbart stehen zu lassen, um das Bewusstsein für die Organisationen für Männer zu schärfen, die "verhindern, dass Männer zu jung zu sterben", sei es durch Prostata- und Hodenkrebs oder Selbstmord.

Die globale Website zum Weltmännertag ermutigt die Menschen auch, Vorführungen des umstrittenen Films "The Red Pill" zu organisieren, der die Aufmerksamkeit auf die täglichen Kämpfe lenkt, mit denen Männer und Jungen konfrontiert sind. Regisseurin Cassie Jaye porträtiert die Männerrechtsbewegung und folgt den Wortführern in dieser Arena, doch der Dokumentarfilm führte nach der Premiere in New York zu Protesten und abgesagten Vorführungen.


Ein in den Artikel eingefügtes Video macht vier Minuten lang für Cassie Jayes Film Reklame.

Aus deutscher Perspektive wirkt dieser vorbildliche Artikel natürlich komplett utopisch. Schon die Vorstellung, dass eine der führenden deutschen Zeitungen so berichtet und dabei erwähnt, wie sich Kanzlerin Merkel zum Weltmännertag geäußert habe, erscheint absurd.

Weiter geht es mit einer irischen News-Seite. Sie berichtet über Männeraktivisten, die sich halbnackt auf die Straße legen, um Aufmerksamkeit für Männerprobleme im Zusammenhang mit geistiger Gesundheit zu erzeugen.

Der Wakefield Express nennt sieben Fakten, die man am Weltmännertag wissen sollte – von Selbstmord über Obdachlosigkeit bis zu häuslicher Gewalt.

Das negative Gegenstück zu diesen aufklärerischen Artikeln ist ein Beitrag von Lesley Roberts im schottischen Daily Record, die gleich in der Überschrift den alten feministischen Witz raushaut: Heute ist der Tag des Mannes, aber das ist ja auch jeder andere. Der Rest ist der typische uninformierte Männerhass:

Wenn Sie nach einer Möglichkeit suchen, diesen Tag zu begehen, finden Sie zweifellos irgendwo ein Häufchen Kerle bei einem Treffen, um ihre Y-Chromosomen zu feiern. Sie könnten schäumende Bierflaschen öffnen und sich gegenseitig zu ihren feinen Bärten beglückwünschen. Aber, wie alle anderen auf der Welt wissen, werden Gedenktage eingerichtet, um sich für den Underdog einzusetzen oder die Rechte einer vergessenen Sache zu fördern.

Insofern ist der Weltmännertag so relevant wie ein Internationaler Millardärstag. Keine der beiden Gruppen braucht unsere Hilfe. Letztes Jahr wurden zwei Fünftel aller Tweets zum Tag des Mannes am 8. März geposted, der zufällig Internationaler Frauentag war. Stellen Sie sich vor, wie alle diese verärgerten Männer wütende Beiträge über die gemeine, unfaire Förderung der Frauenrechte raushauen. Arme kleine Häschen, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen.

(...) Das Schlimmste am Weltmännertag ist, dass er den Weltfrauentag kleiner macht und damit all die echten Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Misshandlungen, um die es dabei geht.


Immerhin weisen gerade solche antiaufklärerischen Beiträge darauf hin, warum ein Männertag dringend notwendig ist.

In Ghana fordert die Ministerin für Gender, Kinder und Sozialen Schutz die Bürger ihres Landes auf, Männer zu schätzen und zu feiern sowie über deren Beiträge und Opfer für die Gesellschaft nachzudenken.

Auch hier stelle ich mir gerade vor, eine analoge deutsche Ministerin, also Schwesig oder Barley, würde so etwas tun ... Ich glaube, sie würde an solchen Worten ersticken. Und einen feministischen Shitstorm auf Twitter und diversen Blogs gäbe es sowieso.

(Das Ganze leidet ein wenig darunter, dass die ghanaische Ministerin die sexistische UN-Aktion HeforShe unterstützt, aber man kann nicht alles haben.)

In Barbados begehen der Minister für Soziales, die Abteilung für Gender-Angelegenheiten und verschiedene Männergruppen den heutigen Tag. Dabei weist der Sozialminister insbesondere auf die Problembereiche Gewalt, Haft, Bildung und Männergesundheit hin.

In Neuseeland werden Männer ermuntert, besser auf sich zu achten und mehr Empathie füreinander zu entwickeln.

In Indien berichtet die Hindustan Times über Männerrechtler, die dagegen aufbegehren, dass Männer als Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Auch City Today meldet maskulistische Proteste. Die Times of India prangert männerfeindliche Klischees an und lässt Männerrechtler zu Themen wie sexuelle Belästigung von Männern am Arbeitsplatz, Unterhalt und häusliche Gewalt zu Wort kommen.

In der Schweiz befindet anlässlich des Weltmännertags Professor Walter Hollstein: "Der Feminismus hat eine Vorstellung von Political Correctness aufgebaut, die es verbietet, Benachteiligungen von Männern zu thematisieren. Damit wird aber der Geschlechterkampf unnötig angeheizt."

Und in Deutschland glänzt die "Süddeutsche Zeitung" mit der biestigen feministischen Herablassung, die nun mal für unser Land besonders typisch ist. In dem Blatt heißt es: "Am Sonntag ist Internationaler Männertag - ein Feiertag, den man sich schenken kann."

Diese Passage scheint mir aber vor allem darauf hinzuweisen, dass die Überschriften und Zwischenüberschriften oft nicht von den Journalisten stammen, die die dazu gehörenden Artikel verfasst haben, was mitunter schizophren wirkt. Denn Jacqueline Lang selbst schreibt in ihrem Artikel für die "Süddeutsche":

Sicherlich ist es richtig, bei dem Wort Gleichberechtigung nicht allein an die Gleichberechtigung der Frau zu denken. Denn darum geht es ja schließlich: Die gleichen Rechte für alle, egal ob Mann oder Frau. Ein Mann sollte deshalb ebenso gute Chancen haben, das alleinige Sorgerecht für sein Kind zu beantragen, wie eine Frau. Ein Mann sollte deshalb ebenso ernst genommen werden, wenn er über sexuelle Übergriffe berichtet, wie eine Frau. Und ein Mann sollte deshalb ebenso wenig auf seine Äußerlichkeiten reduziert werden, wie eine Frau. Zusammengefasst: Die Gesellschaft sollte die Probleme von Männern ernst nehmen.


Positiv sticht auch die Heidenheimer Zeitung heraus, wo Karin Fuchs den Männerberater Uwe Meinhardt interviewt. Das Ganze ist zwar eher ein Kampfinterview, bei dem Fuchs feministische Gegenpositionen bezieht, aber genau das gibt Meinhardt die Gelegenheit, einige Punkte klarzustellen:

Wir haben die Männer in den letzten Jahren aus dem Blick verloren. In der Gesellschaft haben wir uns sehr stark um die Belange und Bedürfnisse der Frauen gekümmert. (...) Bei meiner Arbeit erlebe ich immer mehr, dass sich die Männer abgehängt fühlen. Die Frauen sind sehr viel selbstbewusster geworden und die Männer können nicht Schritt halten.

(...) Die Me-Too-Debatte ist wichtig, aber wir dürfen nicht den Schluss daraus ziehen, dass alle Männer so sind. Das führt umgekehrt dazu, dass die Männer, die mit ihrer Frau auf Augenhöhe leben, stark verunsichert werden, wenn solche Debatten geführt werden und pauschalisiert wird. Dann heißt es nicht Dustin Hofmann, Kevin Spacey oder der britische Verteidigungsminister, sondern die Männer. Damit wird man der Mehrheit der Männer nicht gerecht, die einen guten Job machen wollen, die ein guter Vater, ein guter Partner sein wollen, möglicherweise auch im Verein engagiert sind und denen die Doppelt- und Dreifachbelastung an die Substanz geht. Nicht umsonst haben wir immer mehr Burnout-Fälle. Ich hatte Zeiten, da machten diese Fälle die Hälfte meiner Beratungen aus. Diesen Männern muss Mut gemacht werden, auch ihre eigenen Ansprüche zu artikulieren und nicht nur zu funktionieren.

(...) Wir müssen wieder mehr auf Belange und Bedürfnisse von Männern Rücksicht nehmen. Das heißt nicht, dass wir die der Frauen vernachlässigen. Es ist richtig, dass wir uns bei Frauen darum kümmern, aber bitte mit der gleichen Schlagzahl auch bei Männern.


Klingt für mich überzeugend, aber damit gehöre ich natürlich zu einer kleinen, radikalen Minderheit. Das Hauptproblem ist, dass die zitierten Artikel so spärlich sind: weltweit kaum mehr als ein Dutzend, und davon sind mehrere feindselig. Auch das Google-Logo weist natürlich keineswegs ao auf den Tag des Mannes hin, wie es am Tag der Frau geschieht.

Samstag, November 18, 2017

Debatte um Vorwürfe sexueller Gewalt zunehmend schärfer – News vom 18. November 2017

1. Eine Journalistin der Huffington Post hat Pick-up-Artists und Männerrechtsaktivisten über die aktuelle Serie an Vorwürfen zur sexuellen Belästigung befragt und behauptet jetzt, die beiden Gruppen verträten einen ähnlich geschmacklosen Standpunkt.



2. Im Text "Wir wissen es" verdächtigt die Autorin Carolin Würfel Berliner Kulturschaffende, Sexualdelikte an Frauen begangen zu haben. Beweise dafür legt sie nicht vor. Soll das Journalismus sein? fragt deshalb Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT.



3. "Frauen lügen nicht, was Vergewaltigungen angeht" hatte die US-Feministin Lena Dunham einmal erklärt. Jetzt wurde ein Autor ihrer TV-Serie "Girls" der Vergewaltigung beschuldigt. Dunham bezeichnete das prompt als Falschbeschuldigung und steht dafür jetzt natürlich unter Feuer. Auch hier findet man eine Palette empörter, an Lena Dunham gerichtete Tweets wie "Vor ein paar Wochen hast du mir eine solidarische E-Mail geschrieben und heute verteidigst du einen Vergewaltiger?" von der Schauspielerin Asia Argento.



4. Der folgende Artikel ist schon ein paar Wochen älter, das ist mir in diesem Fall aber egal: Im britischen Mirror schildern sechs Männer, wie sie von Frauen vergewaltigt wurden und wie ihre Freunde darauf reagierten.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Herr Hoffmann,

danke erst einmal für Ihren Blog.

Ich habe hier ein wunderschönes Fundstück, welches dem Abschied von Apples erster Diversitäts- und Inklusionschefin Denise Young Smith behandelt. Warum die gute Frau geht, wird aus dem Artikel nicht ersichtlich, aber der letzte Absatz spricht doch Bände über die Zustände in der dortigen Gesellschaft. Diese Zustände werden auch hier bald kommen.

Ein Zitat aus dem Artikel von Leo Becker:

"Young Smith hatte mit einer seltenen öffentlichen Äußerung auf einer Konferenz im Oktober für empörte Reaktionen gesorgt: Sie konzentriere sich 'auf jeden' und sei frustriert darüber, dass der Begriff 'Diversität' etwa nur mit Farbigen oder Frauen verknüpft werde, erklärte die Managerin auf der Veranstaltung. Selbst 'zwölf blonde, blauäugige, weiße Männer in einem Raum' seien divers, da sie verschiedene Lebenserfahrungen und Perspektiven mitbringen, gab Smith dort als Beispiel an – es gehe aber um 'Repräsentation sowie Mischung'. In einem internen Schreiben entschuldigte sich Young Smith wenige Tage später bei ihrem Team: Sie bedauere die Wortwahl, erklärte Smith nun und könne verstehen, 'warum manche Leute daran Anstoß genommen haben'. Diversität umfasse 'Frauen, Farbige, LGBTQ-Personen und alle unterrepresentierten Minoritäten', schrieb Smith. Ihr Aussage auf der Konferenz sei nicht repräsentativ dafür, 'wie ich über Diversität denke und wie Apple dies sieht'."

Sie wird dafür kritisiert, dass sie die Wahrheit sagt, und muss daraufhin zurück rudern.

Vergleichend möchte ich dabei auf Peter Thiel (The Diversity Myth) verweisen. Heutzutage wird Diversität nur auf Äusseres angewandt. Der Rest wird von Identitätspolitik geschluckt. Es wird angenommen, dass alle Männer gleich denken und alle Frauen gleich denken. Diversität von Gedanken wird versucht zu unterbinden, wie man jedesmal am Aufschrei sieht, wenn der feministische Narrativ in Frage gestellt wird.

Wie weit wird das noch gehen?

Freitag, November 17, 2017

Wir wollten Frauen, und es kamen Ausländer – News vom 17. November 2017

1. "Bund ruft Frauen zum Arbeiten auf – es kommen Ausländer" schreibt frustriert der Schweizer Tages-Anzeiger und verrät über diese Entwicklung: "Das steht im Widerspruch zum Bemühen des Bundesrats, mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Regierung hoffte so, die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte zu begrenzen."

Der Leser, der mich auf diesen Artikel aufmerksam machte, interpretiert ihn so:

Die Bemühungen Frauen in den Arbeitsmarkt zu bringen, soll verhindern, dass immer mehr Ausländer zuziehen. In der Schweiz sind damit auch deutsche Auslandsarbeitskräfte gemeint, aber auf Deutschland übertragen heißt das, dass die ideologisch-feministisch geführte Debatte um Frauen in der Arbeitswelt (von Quote bis Sexismus am Arbeitsplatz) nichts anderes als gelebter Rassismus ist. Rassismus mit dem Ziel, der deutschen Frau eine Stellung in der Arbeitswelt zu ermöglichen, die ihr sonst ein ausländischer Mann streitig macht.

Zugegeben, meine Interpretation ist etwas rabulistisch, aber nach jahrelangem Studium feministischer und genderideologischer Bücher, Texte, Glossen, Artikel und Meinungsbeiträge erlaube ich mir einfach, etwas von deren Stil zu übernehmen.




2. Der maskulistische Blogger Christian Schmidt hat als eine Art Experiment einige Zeit lang einen feministischen Account bei Twitter geführt, um herauszufinden, wie es ist, eine Feministin im Netz zu sein. Wird man tatsächlich ständig das Opfer von Hate Speech und Pöbeleien oder genießt man Privilegien, auf die man verzichten muss, sobald man sich für Jungen und Männer einsetzt?



3. Hadmut Danisch erklärt, warum es seiner Ansicht nach inzwischen ökonomisch falsch ist, Frauen erste Hilfe zu leisten. Der Beitrag enthält einen sehenswerten zweiminütigen Videoausschnitt, der einen Auftritt des Rechtsanwalts Alexander Stevens bei Markus Lanz zeigt.



4. "Frauenquote in der Politik – wie soll das gehen?" fragt Jörg Friedrich in einem lesenswerten Artikel bei den "Kolumnisten".



5. Bei der "Zeit" widmet sich Jochen Bittner dem trendigen Ad-hominem-Angriff "alte weiße Männer":

In der Beschwerde über "weiße Männer" steckt ja mehr als die Abwehr von offener oder unterschwelliger Diskrimierung. Sie ist eine Unterstellung, die selbst auf eine Diskrimierung hinausläuft: Jemand, der weiß ist, männlich und ein gewisses Alter hat, bringt höchstwahrscheinlich ein bestimmtes, nämlich falsches Denken mit.




6. Wegen der "MeToo"-Welle fürchten Juristen eine neue McCarthy-Ära heraufziehen. Das berichtet heute Die Presse auf der Grundlage einer dpa-Meldung. In dem Artikel heißt es:

In der aktuell herrschenden Debatte um angebliche sexuelle Übergriffe kommt es nach Ansicht deutscher Rechtsexperten massiv zu faktischen außergerichtlichen Vorverurteilungen mit verheerenden Folgen. "Die derzeitige Hetzjagd von Prominenten erfolgt unter Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze", sagt etwa der Medienrechtler Thomas Hoeren von der Uni Münster. Und: "Man kann nur hoffen, dass das Thema wieder in sachliche Bahnen kommt. Sonst droht eine unkontrollierte Verdachtsaktion mit Diffamierungen, die der McCarthy-Ära entsprechen."

Mit dem Namen des US-Senators Joseph McCarthy (1908-1957) verbindet sich eine wilde Jagd samt Ermittlungen und schauprozessartiger Inszenierungen auf mutmaßliche Kommunisten und Spione für den Ostblock im Amerika der 1950er-Jahre. Die Zielpersonen waren vor allem Künstler, Medienleute, Schauspieler, Beamte und Wissenschaftler, am Ende sogar Militärangehörige. Meist war die Verdachtslage objektiv dünn bis nicht vorhanden, und oft sogar vorsätzlich konstruiert.

(...) Auch die Strafrechtlerin Jenny Lederer aus Essen beklagt eine mediale Vorverurteilung gerade mit Blick auf die Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien, die "besorgniserregende Ausmaße" annehme. "Nicht wiedergutzumachende Schäden, existenzvernichtende Folgen sind zu befürchten und bereits zu beobachten - ohne dass die Vorwürfe geklärt wären."

(...) Christian Schertz, der als Anwalt für Presse- und Medienrecht viele Prominente vertritt, hatte sich bereits im Deutschlandfunk kritisch geäußert. "Der Rechtsstaat sagt: Wenn dir jemand etwas angetan hat, dann gibt es dafür die Institutionen. Das ist die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Da kannst du hingehen und Strafanzeige stellen." Dann werde geprüft und ein Ermittlungsverfahren bei einem Anfangsverdacht eingeleitet, so Schertz. Einfach aber jemanden öffentlich zu benennen und zu sagen oder zu schreiben "dort ist das und jenes passiert - das ist, ich kann es nicht ändern, es ist rechtswidrig." Die Folgen für Beschuldigte seien dann "erheblich" und mitunter "lebenslaufvernichtend".


Auf Telepolis kommentiert Peter Mühlbauer diese Warnungen.



7. Wer wissen möchte, was die Sexismus-Hysterie bei der Psyche von Männern in den USA inzwischen anrichtet, braucht nur ihre Artikel zu lesen – beispielsweise How, if You’re a Man, to Deal With the Fact That You’re Probably Trash. Die Begeisterung, mit der sich manche Männer inzwischen selbst zum Untermenschen erklären, ist bemerkenswert. Ein Auszug:

Dieser Schneeball rast den Berg hinunter, wird größer und schneller und reißt alles um in seinem Weg. Der Umfang und die Durchdringung dieser Kultur des Missbrauchs und die Rolle, die wir dabei spielen, sie fortzusetzen - und nicht "unsere" wie bei Menschen kollektiv, sondern uns ganz konkret - hat in jüngster Zeit zu einer sperrigen, unordentlichen und chaotischen Ausgrabung von Erinnerungen, Beziehungen und Interaktionen geführt. (...) Und jetzt fragt man sich "Wie beschissen bin ich?" Was soviel bedeutet wie: "Warte ... sollte ich mir auch Sorgen um diese Lawine machen?"

Die Antwort ist natürlich ein verdammtes Ja. Wir sind alle mitschuldig. Wir sind alle Agenten des Patriarchats, und wir alle haben davon profitiert. Wir alle tragen aktiv zur Vergewaltigungskultur bei. Wir alle. Niemand ist davon ausgenommen. Wir haben alle Konten bei ein und derselben Bank. Und wir alle müssen akzeptieren und uns damit abfinden, dass wir im allgemeinen Müll sind.

Ich weiß, das sticht. Das sollte es. Es sollte brutzeln. Es sollte betäuben. Es sollte ein Loch durch deinen verdammten Rücken brennen. Aber dieser Stachel ist nur eine Bestätigung der Realität, und das Unbehagen, das er verursacht, ist, dass die Realität dich in die Brust schlägt. Diese zahllosen Fälle von Missbrauch sind das natürliche und nicht überraschende Ergebnis einer Kultur - einer Welt -, die Frauen entwertet. Und sie als Wegwerfartikel betrachtet. Und versucht, ihre Sexualität zu zertreten und eine Herrschaft über sie zu erhalten, während sie gleichzeitig die Männer dafür belohnt, dass sie sie erobert haben.


Wenn ein evangelikaler Fernsehprediger sich in Ekstase redet, hört er sich im Verglech dazu gefasst und vernünftig an. Ich meine, selbst evangelikaler Fernsehprediger holen nicht vor laufender Kamera die Peitsche raus und fangen an, sich selbst zu geißeln.

Im Kontrast dazu stehen Frauen wie Naomi Firsht, die mit kühlem Kopf vorhersagen, wohin die aktuelle Stimmung führen wird:

Dieses hysterische Klima ist zerstörerisch und schädigt das Zusammenspiel von Männern und Frauen. Wenn junge Frauen beginnen, unschuldiges Verhalten wie z. B. das Zuzwinkern als eine Form des Missbrauchs zu sehen, werden sie bei Männern am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit ständig auf der Hut sein. Und junge Männer werden Angst haben, in irgendeine Art unbeschwerter Unterhaltung mit Frauen einzutreten, damit sie ja nicht falsch interpretiert werden. Dieses Einfrieren von männlich-weiblichen Beziehungen wird niemandem nützen.




8. Britische Wissenschaftler haben Kommentare auf der Website "Tube Crush" analysiert: einer Seite, wo Frauen und Schwule Bilder bewerten und kommentieren, die von Männern in der U-Bahn geschossen wurden. Das Ergebnis ist für Frauen jetzt auch nicht so arg schmeichelhaft ... Verzeihung, ich meine, "sollte ihnen ein Loch in ihren verdammten Rücken brennen." Halleluja.



9. Oh, die Vizechefin der College-Demokraten in Wisconsin ist zurückgetreten, nachdem sie in ihren Tweets ihrem Hass auf weiße Männer freien Lauf gelassen hat. Gibt es solche Konsequenzen inmitten all dieses Irrsinns also auch noch? Dabei hätte das dumme Ding doch nur abzuwarten brauchen, bis die Kerle sich selbst zu geißeln beginnen.



10. Der schwarze Student Zachary Wood ist nicht nur ein linksliberaler Anhänger der Demokratischen Partei (Obama & Clinton), sondern auch Präsident einer Hochschulgruppe für "Unbequemes Lernen". Deren Ziel ist es, der Meinungsfreiheit zuliebe auch kontroverse Redner an sein College einzuladen, um den Austausch mit Menschen zu üben, die anderer Auffassung sind, als die meisten Studenten selbst.

Aktuell hatte er die liberale Feministin Christina Hoff Sommers, die manches im Mainstream-Feminismus kritisiert, zu einem Vortrag eingeladen. Im Wall Street Journal schildert er, wie das so lief:

"Du bist eine rassistische Weiße!" schrie ein Student des Williams College Christina Hoff Sommers an, nachdem diese gerade einen Campusvortrag über Feminismus beendet hatte.

Eine Handvoll Studenten antworteten auf den Vortrag Sommers mit herausfordernden Fragen und stichhaltiger Kritik. Aber Beleidigungen, Schimpfwörter und Wutausbrüche verbrauchten den Großteil der Frage-und-Antwort-Sitzung. Als Präsident von "Uncomfortable Learning", einer Studentengruppe, die umstrittene Redner auf den Campus einlädt, habe ich mein Bestes getan, um zu moderieren.

Nachdem ein studentischer Aktivist der Rednerin "f- you!" zurief, schien ein Administrator das Veto des Zwischenrufers zu bestätigen und signalisierte mir mit einer Timeout-Geste, dass es an der Zeit sei, die Veranstaltung zu beenden. Um möglichst vielen Studenten die Möglichkeit zu geben, mit der Referentin zu argumentieren, habe ich mich an den Administrator gewandt und weitere 15 Minuten für Fragen ausgehandelt. Aber der Rest des Fragens und Antwortens bestand hauptsächlich aus kriegerischer Rhetorik und langatmigen Geschichten über persönliche Traumata, von denen viele wenig mit dem vorliegenden Thema zu tun hatten. Frau Sommers, Stipendiatin am American Enterprise Institute und Kritikerin der "Dritten Welle" des Feminismus, hat mehr als eine Stunde lang solche "Befragungen" über sich ergehen lassen.

Als Hochschul-Senior, der begierig ist, an einer lebhaften Debatte teilzunehmen, bin ich enttäuscht von den Studenten, die diese Veranstaltung als Gelegenheit nutzten, um eine Rednerin zu verspotten und herabzusetzen, die alles getan hat, um sich in gutem Glauben einzubringen. (...) Aber College-Administratoren sind keine große Hilfe. Nach Frau Sommers' Vortrag hat Adam Falk, der Präsident meines Colleges, die Veranstaltung als Erfolg gewertet. Er schrieb in der Washington Post diese Woche, dass "unsere Studenten aufmerksam zuhörten, um dann mit herausfordernden Fragen und in einigen Fällen unverblümter Kritik zu antworten".

Das verfälscht das, was passiert ist. Während des Vortrags von Frau Sommers hörten viele Schülerinnen und Schüler keinswegs genau zu, sondern störten, indem sie sie verspotteten und während Sommers gesamter Rede höhnisch kicherten.

Für jede "herausfordernde Frage" gab es mindestens fünf persönliche Angriffe, die sich entweder gegen sie oder gegen mich richteten, weil ich sie eingeladen hatte. Ein Student fing an aggressiv zu schreien und beschuldigte mich für die Sorgen seiner Eltern, was seine sexuelle Orientierung anging. Seine Geschimpfe dauerte mindestens fünf Minuten. Andere Studenten standen auf und riefen aus, dass sie besser als die Rednerin seien, weil sie "dumm, schädlich und rassistisch" sei.

Kurz nach der Veranstaltung hörte ich von mehreren Freunden, dass viele Mitglieder der Black Student Union nichts mit mir oder anderen schwarzen Studenten zu tun haben wollen, die mit "Uncomfortable Learning" verbunden sind. Ich erwarte diese Form von Beschuldigungen. Aber ich kann nicht für andere Schüler sprechen, die mir erzählt haben, dass sie sich Sorgen darüber machen, wie ihr Interesse an meiner Gruppe ihre Beziehung zu ihren schwarzen Mitschülern beeinflussen könnte.

Wenn man die Angriffe ignoriert, die sich gegen Redner mit abweichenden Meinungen und Studenten, die sie einladen, richten, verbreitet man den Irrglauben, dass Williams und andere amerikanische Colleges intellektuelle Vielfalt begrüßen. Die Situation wird nicht besser werden, bis College-Verantwortliche wie Mr. Falk sich ehrlich den Bedrohungen stellen, denen eine offene Debatte an ihren Hochschulen ausgesetzt ist.


Und es soll keiner glauben, dass die Lage hierzulande anders aussieht.

Donnerstag, November 16, 2017

Wut über "sexistische" App, die fotografierte Frauen ohne Make-Up zeigt – News vom 16. November 2017

1. Männer lieben sie, Frauen fordern ihr Verbot und das politisch korrekte Lager flippt aus: Die Website Information Liberation berichtet unterhaltsam bebildert über eine neue App, die dem Benutzer zeigt, wie fotografierte Frauen ohne Make-Up aussehen. Dieser "Sexismus" sorgt für wütende Artikel wie diesen.

Auf deutsch berichtet hingegen ganz unaufgeregt die Frauenzeitschrift Jolie, wo man die App an sich selbst ebenfalls ausprobiert hat und feststellt: "Die retuschierte ungeschminkte Version kommt dem natürlichen, ungeschminkten Gesicht doch recht nahe."



2. Ach guck: Die Kolumnistin Tamara Wernli scheint eines meiner Bücher zur Kenntnis genommen zu haben, denn ihr aktuell bei Roland Tichy veröffentlichter Artikel Ist es Männerhass? bietet fast im Originaltext eine Zusammenstellung, die man andernorts kaum finden dürfte:

Der Begriff Misandrie (Männerhass) existiert nicht erst seit der Postmoderne. Der Soziologe Christoph Kucklick stellte laut Wikipedia die These auf, dass das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann sogar lange vor dem modernen Feminismus entstanden ist, um 1800 zu Beginn der Moderne. Misandrie ist heute weit verbreitet, wie der kanadische Soziologieprofessor Anthony Synnott im US-Magazin Psychology Today schreibt. Während niemand den Feminismus kritisiere, gäbe es unzählige Beispiele von politischer Dämonisierung des Mannes, so Synnott. Er nennt in seinem Artikel prominente Feministinnen, die Männer als "Feinde" bezeichnen (Marilyn French), als "Das Todes-Geschlecht" (Rosalind Miles), oder das häusliche Vorstadtleben als "komfortables Konzentrationslager" für Frauen, und deren Ehemänner als SS-Gefängniswächter (Betty Friedan).

Gemäss der Untersuchung der Wissenschaftler Paul Nathanson und Katherine K. Young von 2001 "Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture" werde Misandrie wie Misogynie (Frauenhass) kulturell propagiert, aber im Gegensatz zur Misogynie als legitim betrachtet. Das bestätigt auch eine empirische Studie von Jim R. Macnamara von 2006, die ergab, dass Männlichkeit in den modernen angloamerikanischen Medien als das angeborene Böse präsentiert wird, mit 70 Prozent negativer Darstellungen. Mit einigen wenigen Ausnahmen wie Kriegsveteranen oder Feuerwehrmännern seien Männer, die positiv dargestellt werden, jene, die ihre "femininen Seiten" herausstellten.

Die verstorbene britische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing sagte 2001: "Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird.“ Und: „Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren, und niemand sagt etwas dagegen."


Schon wenn ich die Begriffe "Anthony Synnott" und "Dämonisierung" zusammen bei Google eingebe, erhalte ich außer Verweise auf Wernlis Artikel fast nur Eigenverweise. Die Kombination mit Kucklick, McNamara und Nathanson/Young macht es noch klarer: Das ist alles Kapitel 2 meines Buches "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" – dasselbe Kapitel übrigens, für das mir der FAZ-Journalist Sebastian Eder "Wahnsinn" unterstellte.

Ich erwähne das nur für all diejenigen, die meinen, dass maskulistische Texte ja doch keine große Breitenwirkung entfalten würden. Die Wirkung ist da, Wernlis Text wird als der derzeit meistgelesene Artikel bei Tichy gelistet, auch die Basler Zeitung hat ihn veröffentlicht. Bizarr ist lediglich, dass a) wir Männerrechtler auf keinen Fall als Quelle genannt werden dürfen und b) diese Aufmerksamkeit immer erst eintritt, wenn eine Frau dieselben Inhalte wiederholt – oder "shepeated", wie Maskulisten formulieren würden, wenn sie wie Feministinnen drauf wären. Wir sind immer noch die Schmuddelkinder in der Geschlechterdebatte, aber unsere Forschung wird trotzdem aufgegriffen und weiter verbreitet.



3. Die "Basler Zeitung" kritisiert die Feministin Franziska Schutzbach in dem Artikel Dozentin schreibt gegen die Meinungsfreiheit.



4. Das Stapel-Chips-Blog hat ein paar Anmerkungen zu der millionenschweren staatlichen Bezuschussung des Kampfes gegen Kritik am Feminismus zu machen. Der Fall ist heute auch Diskussionsthema bei Christian Schmidt.



5. Der Postillon veralbert die feministische Sprachkritik, indem er zeigt, wie grotesk es aussähe, wenn Männerrechtler genauso argumentieren würden.



6. In Großbritannien bereitet man sich bereits auf den Internationalen Tag des Mannes am 19. November vor. Insbesondere der maskulistische Parlamentsabgeordnete Philip Davies steht dabei im Vordergrund. Die BBC und die Huffington Post berichten. Dabei kommt auch Davies selbst ausführlich zu Wort:

"Ich bin oft dafür angeprangert worden, dass ich für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen plädiere", sagte er. "Ich sehe nicht, dass es daran etwas besonders Kontroverses gibt, aber es überrascht mich immer wieder, wie oft ich beschuldigt werde, ein Frauenfeind, Sexist oder irgendeine andere Beschimpfung zu sein, nur weil ich sage, dass Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich behandelt werden sollten. Was passiert, ist, dass militante Feministinnen in vielen Fällen versucht haben, jede Diskussion über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen zu beenden. Um diese Debatte abzuwürgen, schleudern sie ihre Beschimpfungen auf jene, die diese Fragen aufwerfen – in der Hoffnung, dass man nicht mehr zuhört, was jene Menschen sagen, dass sie aufhören, diese Dinge zu sagen, und dass andere Menschen davon abgehalten werden, aufzustehen und diese Dinge zu sagen."

(...) Davies fügte hinzu:"Es erscheint mir bizarr, dass diejenigen, die scheinbar gegen Diskriminierung, Ungerechtigkeiten und Stereotypen kämpfen, all diese Dinge oft sehr gerne aufrechterhalten, wenn es gegen Männer geht. Ich hoffe, dass der Internationale Männertag dieses Jahr Gelegenheit bietet, sich auf die negative stereotype Darstellung der Männer und die ungerechtfertigten Angriffe auf diejenigen zu konzentrieren, die den politisch korrekten, militanten feministischen Ansatz nicht unterstützen. Ich hoffe, Männer und Frauen können sich darin einig sein, dass dies nicht richtig ist, und ich hoffe, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Minderheit, die versucht, solchen Schaden anzurichten, keinen Erfolg hat."




7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Herr Hoffmann,

nur durch den Verweis Ihres Lesers, der sich durch die Abbildung Kevin Spaceys auf der Stern-Titelseite irritiert zeigte, ist mir überhaupt aufgefallen, dass da am Rand um die drei Frauen herum noch was zu sehen war. Die rote Einfärbung ließ dies doch stark in den Hintergrund treten, und ich habe mir das Bild auch nur oberflächlich angesehen, weil mir schon die an vorderster Front stehende Carolin Kebekus sagte, wohin auch hier die Reise gehen wird und dass es sich nicht lohnt, da noch weiter hinzuschauen.

Als ich es dann aber daraufhin doch noch mal angesehen habe, ließ mich das Titelbild fassungslos zurück. Wer nur eines der Gesichter der Männer erkennt, weiß, wofür sie stehen sollen: als Beispiel für Sexismus, Übergriffigkeit, Unvermögen im Bereich der Impulskontrolle. In der Mitte all dieser schlimmen Musterexemplare der "Spezies" Mann dann die drei unschuldigen Frauen, deren farbige Hervorhebung und unmittelbare Verbindung mit dem Titel sie klar als ausschließliche Opfer klassifiziert.

Diese Gegenüberstellung stellt die moralische Verkommenheit der Geschlechterdebatte, die bekanntlich noch nie eine war, sondern nur ein radikalfeministischer Monolog mit dauernden und sich fundamental widersprechenden Forderungen und Anklagen an "den Mann", in einer so deutlichen Weise dar, dass ich es kaum glauben kann, dass die für diesen Titel Verantwortlichen es nicht doch mal langsam selber mitbekommen.

Opfer und Täter werden klar an biologischen, für jeden einzelnen Menschen unveränderbaren Merkmalsgrenzen entlang festgelegt. Bei nahezu jeder anderen derartigen Klassifizierung würde jedem noch so dumpfbackigen "Journalisten" oder "Redakteur" die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit dieser Gegenüberstellung offen, mit dem Gesäß voran, ins Gesicht springen. Nur wenn es um die Abwertung gegen und / oder die Anklage von Männern geht, ist man in unserer angeblich patriarchalen Gesellschaft völlig blind für solche Diskriminierungen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Stern oder irgendein anderes, nicht offen rechtsradikales Blatt auf seiner Titelseite unter der Überschrift "Kriminalität im Alltag; kenne ich" ein Bild von weißen "Biodeutschen" in der Mitte abdrucken würde, die ringsum von den Fotos ausschließlich arabisch aussehender oder schwarzer Krimineller umrahmt werden. Die rassistische Implikation wäre ähnlich offensichtlich wie bei antisemitischen Hetzdarstellungen, wie sie in übrigens optisch sehr ähnlicher Form auch schon in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts genussvoll unter das Volk gebracht worden waren.

Und das faszinierende: all diese scheinbar kognitiv unterversorgten Personen halten sich selbst und ihr Handeln für "progressiv" und "aufgeklärt". Sie sind diejenigen, die "alles hinterfragen". Aber warum hinterfragen sie nicht einmal, warum sie es auf der einen Seite nach einem Terroranschlag niemals hinnehmen und schon gar nicht wohlwollend begleiten würden, würde ein Hashtag eröffnet, wo unter dem Titel "HowIwillchange" Muslime angehalten werden, darzustellen, was sie persönlich, durch Veränderungen an sich selbst, gegen den "allgegenwärtigen" islamistischen Terror tun werden, aber eine in ihrer Stoßrichtung identische Aktion abfeiern und hofieren, solange die dabei pauschal angeklagte Gruppe die "der Männer" ist.

Und in diesem Zusammenhang frage ich mich auch immer: Stets wird uns politisch und medial eingehämmert, wie diskriminiert, wenn nicht gar unterdrückt doch Frauen in unserer Gesellschaft nur aufgrund ihres Geschlechtes sind. Was aber ist wohl die weit schwerer wiegende Form der Diskriminierung: die, welche man bisweilen von einigen wenigen, in der Regel privaten Individuen, die sich schlicht nicht benehmen können, erfährt, oder die, die einem beständig und kritikfrei in großen, wirkmächtigen Medienformaten und aus den Mündern hochrangiger Politakteure in Endlosschleife ins Gesicht gedroschen wird?

Ich hoffe, dass sich auch über die Grenzen der "Manosphere" hinaus diese Wahrnehmung geschlechts- und dank des Intersektionalismus auch immer wieder gerne rassenbezogener Diskriminierung einen Weg in die Gesellschaft schlagen wird, also eben der integrale Antisexismus und Antirassismus, denn es ist für mich schon zuletzt ein bedenklicher Schritt gewesen, dass mich die degenerierte und reaktionäre Geschlechterpolitik des gesamten, sich selbst immer noch gerne als links bezeichnenden politischen Lagers dazu "genötigt" hat, die FDP zu wählen – eine Partei, deren Scheitern an der 5 %-Hürde ich vor vier Jahren noch gefeiert habe wie einen WM-Sieg unserer Nationalmannschaft.

Ich kann mir vorstellen, dass es Ihnen da vielleicht ähnlich geht.

Mittwoch, November 15, 2017

Journalistinnen beklagen Krieg gegen Sex und gegen Männer – News vom 15. November 2017

1. Die katholische Tagespost ist unglücklich darüber, wie eine Debatte über das Thema "Gender" an der Technischen Universität Wien verlaufen ist:

Ein Block von überwiegend schwarz gewandeten Störern johlte, schrie und beflegelte Redner wie Diskutanten. Ihr Ziel war offenkundig die Zerschlagung der gut besuchten Veranstaltung. Da wurde etwa im selben Gebäude rasch eine thematisch idente Gegenveranstaltung angesetzt, um Besucher in die Irre zu leiten. Irgendwann lösten die Störer den Feueralarm aus, um die offenbar unangenehme Debatte abzubrechen.


Mit anderen Worten: Business as usual.



2. Das Wissenschaftsblog Sciencefiles kündigt ein ehrgeiziges Projekt an:

Unser Ziel ist es, eine komplette Bestandsaufnahme für alle 82 deutschen Universitäten vorzunehmen, und den Grad der Infiltration mit Genderismus zu bestimmen, um am Ende ein Universitätsranking für alle deutschen Universitäten erstellen zu können, das die Qualität ihrer Lehre als Funktion des Ausmaßes der Infiltration mit Genderismus darstellt.

(...) Das wiederum setzt voraus, dass wir eine Finanzierung zusammenbekommen, die es uns erlaubt, ein halbes Jahr konzentriert an dieser Forschungsagenda zu arbeiten und für Deutschland etwas zu erarbeiten, was es bisher nicht gibt und – wenn es nach den Genderisten geht – auch mit Sicherheit nicht geben wird oder geben soll.

Wir haben das Projekt, um es überschaubar und nachvollziehbar zu halten, in drei Finanzierungsschritte gegliedert. Insgesamt gibt es nach unserer Schätzung rund 50.000 Euro zu finanzieren. Das klingt nach viel Geld, wenn man jedoch den Arbeitsaufwand und die Menge der Informationen betrachtet, die im Verlauf dieses Projekts gewonnen werden, dann ist das (fast schon) Dumping.

(...) Und jetzt sind unsere Leser an der Reihe, denn wir versuchen die 50.000 Euro über Crowd-Funding einzuwerben. Jede Spende, die uns auf dem Weg zur ersten Marke von 12.500 Euro und auf dem Gesamtweg weiter bringt, ist herzlich willkommen. Wir werden den Spendenstand wöchentlich bekannt geben und mit der ersten Phase des Projekts Anfang des nächsten Jahres beginnen, vorausgesetzt die Finanzierung steht bis dahin, denn: Wir müssen uns von unserer selbständigen Tätigkeit freistellen und das geht nur, wenn wir anderweitig finanziert sind (auch wir müssen ja von etwas leben).




3. Warum gilt für SPD-Politiker 0 Prozent Männeranteil als Indikator für erfolgreiche Gleichstellung? fragt MANNdat.



4. Die Zahl der Wohnungslosen hat sich seit 2014 mehr als verdoppelt. 860.000 Menschen in Deutschland haben keine Wohnung.

Diese Meldung dürfte zum Topthema der nächsten Tage werden und damit die Sexismus-Debatte aus den Talkshows und von den Titelseiten der Presse verdrängen. Schließlich ist ein Leben ohne Obdach, geprägt von Hunger, medizinischer Unterversorgung und Kälte um einiges fürchterlicher als vor zehn Jahren flüchtig am Knie berührt worden zu sein.

Haha, nein, ich mache natürlich nur Spaß. Das wird nicht einmal im Ansatz ein großes Medienthema werden. Schließlich sind die allermeisten Betroffenen in diesem Fall Männer.

Immerhin widmet die "Zeit" diesem Problem einen weiteren Artikel.



5. Der Paar- und Sexualtherapeut Saleem Matthias Riek analysiert die Doppelbotschaften, die an uns Männer beständig gerichtet sind, was unser Verhalten im erotischen Bereich angeht. Der Artikel ist in Gänze lesenswert; einen Absatz möchte ich trotzdem herausgreifen:

Es gibt Männer, die den Frauen mit deren Forderungen zur Seite stehen und Nämliches ihren Geschlechtsgenossen abverlangen. Sie kommen sich wahrscheinlich vor wie Helden. Ich war selbst einer dieser Helden. Ich gehörte zur Avantgarde einer "profeministischen Männerbewegung", saß 1990 für diese auf dem Podium. Es hat nichts geholfen, ich musste doch durch das Tal der Tränen. Schlüsselerlebnisse haben mich im besten Sinne ent-täuscht und auf mich selbst zurückgeworfen. Das war Voraussetzung für ein wohlwollendes Selbstverständnis als Mann und für erfüllende Beziehungen zu Frauen.




6. Im Magazin The New Yorker analysiert die Journalistin Masha Gessen – ihrer Darstellung nach selbst Opfer sexueller Übergriffe – wie in der aktuellen MeToo-Kampagne ein Krieg gegen Sex an sich geführt wird:

Wenn die Unschuldsvermutung in der Vorstellung wurzelt, dass es besser ist, zehn Schuldige freizulassen, als eine unschuldige Person in den Knast zu stecken, dann scheint die Sexualpolizei hingegen anzunehmen, dass es besser ist, zehn Mal weniger Sex zu haben, als eine nicht einvernehmliche sexuelle Erfahrung zu riskieren. Das Problem ist nicht nur, dass dadurch die Anzahl von sexuellen Begegnungen verringert wird, sondern auch die Grenzen zwischen Vergewaltigung, gewaltfreiem sexuellem Zwang und schlechtem, fummelndem, betrunkenem Sex verwischt werden. Das führt zu zwei Dingen: schlechten Sex zu kriminalisieren und Vergewaltigung zu verharmlosen. (...) Einige der Namen auf der vermeintlich geheimen Liste der "beschissenen Medienmenschen", die jeder in der Medienwelt gesehen hat, sind von Männern, die nur unbeholfene, ungelernte Kommunikatoren zu sein scheinen, während andere tatsächliche Gewalttaten begangen haben sollen.




7. Die New Yorker Journalistin Stephanie Gutmann fragt sich, in welche Gesellschaft der aktuelle Krieg gegen den Sex führen wird:

Die feministische Schriftstellerin Rebecca Traister sagt grimmig: "Es gibt Hinweise darauf, dass das hier erst der Anfang ist". Aber vielleicht ist die wichtigere Frage, wie die Gesellschaft aussehen wird, nachdem die Hexenjäger eine Welt geschaffen haben, in der sich "Frauen endlich sicher fühlen können ".

Rein sexuell betrachtet endet es damit, dass sich Männer mit ihren Online-Pornos und Sex-Bots in ihre Schlafzimmer zurückziehen. (Realistisch aussehende, lebensgroße weibliche Sex-Bots sind bereits auf dem Markt.)

Das Problem mit (lustvollem) Sex ist das emotionale Risiko. In naher Zukunft, wenn Männer und Frauen noch Sex miteinander haben wollen, wird es so langweilig sein, dass es sich nicht lohnt. Annäherungen müssen im Vorfeld festgelegt und genehmigt werden (ich stelle mir Storyboarding-Panels vor); Verträge werden unterschrieben; Schutzkleidung wird angelegt. Um Hemmungen zu bremsen, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genug Rauschmittel konsumiert haben, um ein Wildpferd zu betäuben.

Nur gut, dass die Virtual-Reality-Technologie so ausgereift ist. Der nächste Schritt ist ein selbstprogrammierbarer Porno auf Ihrem Virtual-Reality-Headset, wie es in "Brave New World" vorhergesagt wird (nur mit Computern statt Menschen, die Sie berühren). Wenn Sie eine Startup-Tech-Unternehmen kennen, das an Virtual-Reality-Pornos arbeitet, sollten Sie jetzt Aktien davon kaufen.




8. Die britische Publizistin Kathy Gygnell wundert sich, dass es von Männern gegen die allgemeine Verdamung ihres Geschlechts dermaßen wenig Widerspruch gibt:

Seit dem Outing des Seriensexstraftäters Harvey Weinstein stehen Männer vor Gericht. Sie wurden einem pauschalen Rufmord ausgesetzt. Unschuldig bis zum Beweis der Schuld gilt vielleicht im Gesetz, aber in dem durch die Medien stattfindenden Prozess wurden sie ohne ordentliches Verfahren für schuldig befunden.

Ein Mann ist tot. Der Ruf, das Familienleben und vielleicht auch die Karriere anderer Männer ist unwiederbringlich zerstört. Doch das Mobbing geht weiter.

(...) Aber die Männer schweigen. Sie werden angeklagt, sexuelle Belästigung massenhaft ausgeübt zu haben, ein Klima der Angst und Einschüchterung geschaffen zu haben, in dem Frauen arbeiten müssen, (...) aber sie schweigen trotzdem. Wo ist ihr Protest? Werden sie sich nicht einmal verteidigen? Nicht einmal anpangern, wie beiläufig hier Flirts, folgenlose Körperberührungen und herabwürdigende Äußerungen (alles Dinge, denen auch alle Frauen "schuldig" sind) mit schwerwiegenden sexuellen Übergriffen vermengt werden?

(...) Die Zeitungsredakteure scheinen völlig uninteressiert daran zu sein, die Reaktionen der Männer auf #MeToo zu erforschen, um herauszufinden, ob sich Männer wütend, missbraucht oder verzweifelt fühlen. Zählen Männer nicht? Oder fürchten Redakteure "unveröffentlichbare" Antworten, die sie in den Augen der feministischen Gedankenpolizei als "unbelehrbar" erscheinen lassen würden, sollten sie das drucken, was sie herausfinden?

(...) Wenn das Schweigen der Männer eine Sache bloßlegt, dann ist es der Mythos ihres männlichen Privilegs. Was er dagegen offenbart, fürchte ich, ist das Gegenteil, eine entsetzliche Krise männlichen Selbstvertrauens. Nicht Männlichkeit ist toxisch, sondern die feministische Attacke darauf.




9. Die Post. Einer meiner Leser fragt sich, was das Foto Kevin Spaceys auf dem aktuellen Cover des STERN zu suchen hat, dessen zentrale These doch das angeblich allgegenwärtige Leiden von Frauen ist:

Es steht die Anschuldigung im Raum, dass er sich an einem Jungen vergangen haben soll. Hier werden wieder männliche Opfer instrumentalisiert (man könnte sagen, ein zweites Mal missbraucht), um die Sache des Betonfeminismus voranzubringen. Aus meiner Sicht ist das schon ekelerregend.


Ein anderer Leser schreibt mir zu dieser Attacke Jana Hensels auf Männer, die von der "Zeit" veröffentlicht wurde:

Nach meinem Empfinden erfüllt dieses Gehetze über Männer bei Zeit-Online den Tatbestand der Volksverhetzung.

Natürlich bin ich juristischer Laie aber ich habe mir den §130 StGB mal angesehen:

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Ich hielte es für sinnvoll, wenn Männerrechtler darauf bestünden, "geschlechtliche Herkunft" oder "Männer und Frauen" in diesem Paragraphen explizit zu erwähnen. Würde jemand Zeit-Online für diesen oder die hunderte anderen "kritischen" Artikel gegen Männer wegen Volksverhetzung verklagen, hätte er vor Gericht wahrscheinlich keine Chance, weil Männer scheinbar nicht als "vorbezeichnete oder bestimmte Gruppe" im Sinne des §130 gelten.

Vielleicht ist das ja ein Thema für die liberalen Männer?




10. Der Postillon schließlich verarbeitet die aktuelle Sexismus-Hysterie satirisch.

Dienstag, November 14, 2017

"Gut gemacht, Mädchen!" – News vom 14. November 2017

1. Zwei der besten Beiträge zur Sexismus-Debatte findet man heute nicht in den Leitmedien, sondern in den Blogs. Beide Texte stammen von Menschen, die selbst sexuelle Gewalt erlebt haben, einem Mann und einer Frau.

Der Artikel Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Kampagne #metoo wurde von "Lotosritter" veröffentlicht, der Beitrag #MeTooMuch von einer unbekannten Autorin auf dem Blog "Schlaglichter".

Ebenfalls lesenswert sind Aranxos Beitrag 16 Dinge, die in jeder Sexismus-Debatte immer wieder gleich verlogen sind sowie Lucas Schoppes Offenen Brief an den feministischen Sozialdemokraten Robert Franken, provokativ betitelt mit Antisexismus für Feministen (und andere Anfänger).



2. Auch der "Stern" steigt in die Sexismus-Debatte ein – und vergreift sich dabei gehörig. Darüber berichtet das Bildblog.



3. Ein britischer Pastor und Lehrer lobte seine Schüler mit den Worten "Gut gemacht, Mädchen." Dummerweise befand sich unter diesen "Mädchen" auch ein Schüler, der sich als Junge identifizierte. Der Pastor bat den Schüler um Verzeihung und versuchte noch, sich mit einem "Versprecher" herauszureden, sieht aber nach einer einwöchigen Untersuchung des Falles natürlich dienstrechtlichen Konsequenzen entgegen. Er ist beurlaubt, ihm droht die Entlassung.

Montag, November 13, 2017

SPD-Frauenaufstand, belästigte Männer, Anne Will – News vom 13. November 2017

1. Von einem "Aufstand der SPD-Frauen" gegen Parteichef Martin Schulz berichtet der FOCUS. Nach Schwesig fordert jetzt auch Frauenministerin Barley noch mehr "Sensibilität für Geschlechterfragen" ein.



2. Einen großartigen Artikel über die Belästigung von Männern gibt es von Alexander und Bettina Hammer auf Telepolis. (Seinen zweiten Teil findet man hier.)



3. Im Vergleich dazu war die inszenierte Katastrophe gestern Abend bei Anne Will ein Rücksturz in die Steinzeit der Debatte: Eine Sendung, die so tat, als würde sie gegen Sexismus Stellung beziehen, steigerte sich selbst mit jeder Minute mehr in einen Sexismus erster Güte. Alles, was die Befindlichkeiten von Männern aning, wurde von Moderatorin und Gästen eifrig beiseite gewischt. Die meines Erachtens gelungenste TV-Krtik zu diesem Talk findet man bei Hadmut Danisch, der sich zwar in einen ziemlich angefressenen Rant hinein steigert, dies aber, wenn man Beleidigungen wie "Giftspritze" einmal ausklammert, sehr zu Recht. Auf Platz zwei in meiner persönlichen Wertung: Stephan Paetow auf den Seiten des Blogs von Roland Tichy.



4. "Verunsicherte Männer sind in einem guten Zustand" sagte eine der Talk-Gästinnen gestern Abend bei Anne Will. Dummerweise müssen auch Frauen unter dieser tollen Verunsicherung leiden: Sie erhalten einer aktuellen Studie zufolge weniger häufig eine oft lebensrettende Herzmassage als Männer. Der Grund dafür ist offenbar eine männliche Scheu davor, die weibliche Brust zu berühren.



5. Triggerwarnung: Bitte bereiten Sie sich auf den Schock-Faktor der nächsten Meldung gut vor! Ich weiß selbst nicht ganz, wie ich Ihnen das Folgende am schonendsten beibringen soll, deshalb sage ich es vielleicht am besten frei heraus.

Eine neue Studie verrät etwas, das das Weltbild vieler komplett umstürzen dürfte: Das feministische Wehklagen über einen Gender-Pay-Gap ist massiv irreführend und fördert eine Opfer-Mentalität unter Frauen.

Kate Andrews, Nachrichtenredakteurin am Institute of Economic Affairs, sagte: "Die Kampagne zum Equal Pay Day bringt berufstätige Frauen nicht voran; schlimmer noch, sie scheint die großen Erfolge zu verschleiern, die Frauen (...) hatten. Wir haben Beweise dafür, dass junge Frauen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, allen Grund zu der Annahme haben, dass sie für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden. Dennoch werden sie mit aufgeblasenen und manipulierten Statistiken bombardiert, die sie sich hilflos fühlen lassen. (...) Das ist das genaue Gegenteil von Empowerment."


Hui, das ist ja ein ganz schöner Hammer! Wenn es nur eine politische Bewegung geben würde, die uns in den letzten Jahrzehnten auf solche Erkenntnisse vorbereitet hätte ...



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Was Schwesigs Bestrebungen angeht, die SPD feministischer zu machen, so finde ich das sehr begrüßenswert.

Hier passt meines Erachtens die alte Sichtweise, dass etwas erst schlimmer werden muss, bevor es besser wird.

Der von Schwesig vorgeschlagene Weg ist gut geeignet, sozialdemokratische Politik in Deutschland zu fördern, nämlich indem die SPD weiter schwindet und die sozialdemokratische Politik Angela Merkels weitergeführt wird.

Wer unbedingt links wählen möchte, dürfte sein Kreuz schon lange nicht mehr bei der SPD gemacht haben.

Sonntag, November 12, 2017

Schwesig: SPD muss noch viel feministischer werden – News vom 12. November 2017

1. Spiegel-Online berichtet:

In der SPD gibt es zunehmend Unmut über den Kurs von Parteichef Martin Schulz. Die stellvertretende Vorsitzende Manuela Schwesig wirft Schulz vor, bei seinen Reformplänen die Interessen von Frauen zu vernachlässigen und keine Angebote für Wählerinnen zu machen.

"In unserem Leitantrag findet sich bislang nichts zu dem Versprechen, dass die SPD weiblicher werden muss. Das ist ungenügend", sagte Schwesig dem SPIEGEL. "Wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen, wie wir Frauen auf allen Ebenen der Partei stärker beteiligen und ihre Lebensrealitäten besser abbilden."

Schwesig fordert unter anderem, im Willy-Brandt-Haus eine Stabsstelle für Gleichberechtigung einzurichten, die den Einfluss von Frauen in der SPD gewährleisten und steuern soll. Zudem will sie "familienfreundliche Sitzungszeiten" und "Fortbildungen zum Thema Gender". "Wenn die SPD Volkspartei bleiben will, muss sie vielfältiger denken", sagt Schwesig.




2. Gegen eine queerfeministische Buchmesse gibt es Zensurvorwürfe:

Ins Rollen kam die Geschichte bereits Ende August. Damals teilten die Messe-Verantwortlichen dem Querverlag, in dem "Beißreflexe" erschienen ist, per Mail mit, das Buch sei auf der Veranstaltung nicht erwünscht. "Beißreflexe" befasst sich - ausgerechnet - mit vermeintlichen Sprechverboten in der queeren Szene.




3. Die Zeit berichtet über den feministischen Kampf gegen Sexroboter und das übliche Messen mit zweierlei Maß:

Die Feminismuskonferenz wird in einem Universitätsgebäude in der Innenstadt abgehalten. Am Eingang gibt es Jutebeutel mit der Aufschrift "Patriarchat zerschlagen", daneben Shirts mit dem Credo "Wilde Frauen rasieren sich nicht". Richardson spricht in einem Vorlesungssaal mit abgelatschter blauer Auslegware. Die erste Folie, die sie an die Wand wirft, zeigt, worum es ihr geht – und worum nicht. Zwei Bilder sind zu sehen, eine bunte Auswahl an Vibratoren und eine blonde Puppe mit riesigen Brüsten, die lasziv in den Saal lächelt. Vibratoren, sagt Richardson, seien bloß Werkzeuge zur Stimulation, eine Puppe dagegen repräsentiere eine Frau. Vor allem Männer würden diesen Unterschied nicht immer anerkennen. "Nur damit das klar ist, ich habe nichts gegen Vibratoren. Wer immer einen benutzen will: nur zu!"




4. In Hollywood werden Karrieren inzwischen auf eine bloße Anschuldigung hin beendet, berichtet der Schauspieler Jeremy Piven.

Samstag, November 11, 2017

Koalitionsverhandlungen: Nur FDP will modernisiertes Umgangsrecht - News vom 11. November 2017

1. Sabine Menkens sieht in einem Artikel für die WELT schwarz, was das von der FDP gewünschte Wechselmodell (gemeinsame Betreuung der Kinder auch nach einer Trennung der Eltern) angeht:

Damit scheint sie sich bei den Jamaika-Sondierungspartnern nicht durchsetzen zu können. Bei der Forderung, das Wechselmodell für Scheidungskinder im Streitfall zur Regel zu machen, habe die FDP "keine Verbündeten", sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Suding der WELT. "Sowohl Union als auch Grüne sind dagegen." Familienpolitikern von CDU, CSU und Grünen geht die FDP-Forderung entschieden zu weit; sie finden es besser, wenn weiterhin im Einzelfall entschieden wird, welche Betreuungslösung die beste für das Kind ist.

Aus Gesellschaft und Wissenschaft kam am Donnerstag hingegen Unterstützung für die Forderung, das Wechselmodell zum neuen Leitbild zu erklären. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten mehr als 60 Wissenschaftler, Professoren und Vertreter aus Zivilgesellschaft und Familienverbänden an die Jamaika-Verhandler, sich für eine grundlegende Reform des Familienrechtes einzusetzen.




2. Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist es keine sexuelle Belästigung, einer Frau anzügliche Witze zu erzählen oder ihr auf die Brüste zu schauen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Insgesamt zeigt sich Deutschland bei solchen Fragen toleranter als mehrere Nachbarländer. Beispielsweise findet fast jeder vierte Franzose (23 Prozent), schon Zuzwinkern könne den Tatbestand der Belästigung erfüllen. In Deutschland sehen das gerade einmal 6 Prozent so, wobei Männer und Frauen hier nahezu übereinstimmen.



3. Die lesenswerten aktuellen Wortmeldungen zur Sexismus-Debatte zeigen einmal mehr, wie sehr sich das Niveau dieser Debatte seit "Aufschrei"-Zeiten weiterentwickelt hat.

Ausgerechnet die Feministin Thea Dorn, die ich im persönlichen Gespräch als schwer zugänglich erlebt habe, äußert jetzt entschiedene Kritik an MeToo und dessen immer breiteren Windschatten: Dabei handele es sich ihrer Ansicht nach um einen "moralischen Totalitarismus". Dorn warnt – meines Erachtens sehr zu Recht – vor "hysterischen" und "bigotten" Reaktionen, die spießiger seien als der Geist der 50er- und 60er-Jahre.

In der Basler Zeitung merkt Walter Hollstein an, dass Männer "nur noch als Defizitwesen hingestellt" werden: "Es gibt kein intaktes Männerbild mehr, an dem man sich aufrichten könnte." Die Folgen insbesondere für heranwachsende Jungen seien katastrophal. In einem weiteren Beitrag kritisiert Hollstein "die Realitätsverweigerung des Schweizer Fernsehens und anderer Medien", etwa wenn beim Thema Sozialhilfe die betroffenen alleinerziehenden Frauen in den Vordergrund gerückt werden, obwohl die Gruppe der notleidenden Männer klar höher ist. Dieses Messen mit zweierlei Maß sei ein grundsätzliches Problem:

Die stete Leugnung solcher Realitäten passt (...) fugengerecht in die Darstellung, wie das SRF sie pflegt: Männer sind Täter. Selbstverständlich müssen Typen wie Weinstein, Strauss-Kahn und Konsorten angeprangert werden. Aber zum Ersten sind Weinstein oder Strauss-Kahn nicht alle Männer und zum Zweiten: Männer sind auch Opfer. In diesem Sinne ist es symptomatisch, dass SRF breit über die "MeToo"-Kampagne belästigter Frauen berichtet, aber mit keinem Wort die "MenToo"-Kampagne belästigter Männer erwähnt.


Eine überreizte Debatte diagnostiziert Adam Soboczynski in der "Zeit". Wer Vergewaltigungsfälle dazu nutze, kleine Alltagsrechnungen zu begleichen, verharmlose schwere Straftaten.

Bundesrichter Thomas Fischer äußert sich ebenfalls in der "Zeit" weiterhin kritisch. Ein Auszug:

In allen Redaktionen, die dem Thema Sexismus viel-seitige "Nachdenklichkeiten" widmen, kann man sich zwar daran erinnern, dass früher einmal (!) sexistische alte Männer das Sagen hatten und konkurrenzgeprägte Verächtlichkeit das Betriebsklima beherrschte. Unter den heutigen Machtinhabern aber findet sich wundersamerweise kein einziger mehr, an dem man den Tabubruch vorführen, den eigenen Mut erproben und die Solidarität beweisen könnte. Warum dann zugleich ununterbrochen behauptet wird, der frauenverachtende, gewaltaffine Sexismus sei allgegenwärtig, erschließt sich dem Autor nicht wirklich.


(Bestes Beispiel für diese Beobachtung: Die Filmdiva Gina Lollobrigida erntet aktuell Medieninteresse für einen Vorfall vor 71 Jahren. Ich glaube Lollobrigida ja, dass der Übergriff für sie belastend war, aber warum ist er selbst meiner Regionalzeitung heute noch eine eigene Meldung wert?)

Thomas Fischer erinnert daran, dass SPD-Frauenministerin Barley vor wenigen Wochen eine erneute Verschärfung des Gesetzes gegen sexuelle Belästigung forderte, so dass auch Die-Hand-aufs-Knie-Legen strafbar sein würde. Er berichtet am Beispiel eines Grünen-Politikers weiter, dass für das im letzten Jahr vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur sexuellen Belästigung sogar diejenigen gestimmt hatten, die es als "verfassungswidrig" befanden. Über den Inhalt dieses Gesetzes schreibt Fischer:

Der Tatbestand soll vielmehr gerade für unerhebliche Handlungen gelten. Als Beispiele werden vom Gesetzgeber genannt: Arm um die Schulter legen, Hand-aufs-Knie-Legen, an der Taille anfassen. Für solche Verbrechen hagelt es Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren. In "besonders schweren Fällen" des unerheblichen (!) Berührens sind Freiheitsstrafen bis zu fünf (!) Jahren zu verhängen. Das ist übrigens die Höchststrafe, die noch bis vor ein paar Jahren für "Totschlag im minder schweren Fall" angedroht war.

Unsere amtierende Bundesministerin forderte also ein Gesetz, das sie selbst bereits mitbeschlossen hat und das seit einem Jahr in Kraft ist. Fast die gesamte Presse hat darüber berichtet, ohne dass einem der tief betroffenen Fachjournalisten aufgefallen wäre, dass "Hand-aufs-Knie-Legen" bereits strafbar ist.


Es ist die gewohnte Katastrophe des "Qualitätsjournalismus", die sich hier deutlich zeigt.

Der Tonfall der neuen Welle ist gegenüber der letzten noch schriller und vernichtungsgeneigter geworden. Die – mit Ausnahmen – für ihren sensiblen Sprachduktus berühmte FAZ schreibt, wenn sie das größte Hollywood-Schwein aller Zeiten meint, von "Weinsteins Visage" (!) und lässt eine Journalistin den Männern mit dem "Zahltag" drohen: "Nun büßen Männer." Und nach einem Monat Dauerklagen und einer Begeisterungswelle sondergleichen über Hunderttausende anonyme Beschuldigungen und Geschichten aus alten Zeiten kommt der stern am 9. November allen Ernstes mit der Titelankündigung "Frauen aus ganz Deutschland brechen ihr Schweigen" heraus. Soll das ein Witz sein?

(...) Gerade gestern wurde in einer Talkshow der ARD wieder mehrfach behauptet, nur acht Prozent der angeklagten Vergewaltigungen führten zu einer Verurteilung: Das ist schlicht dummes Zeug. Genauso wie die Wahlkampf-Behauptung des bayerischen Innenministers, die Anzahl der Vergewaltigungen in Bayern habe im letzten Jahr um 45 Prozent zugenommen. Ebenso fernliegend ist die immer weiter verbreitete Behauptung, "die Justiz" gehe mit AnzeigeerstatterInnen und Opfern von Sexualdelikten besonders unfreundlich, ungläubig oder respektlos um. Das ist, mit Verlaub, reiner Quatsch, und glauben kann das eigentlich nur, wer in Wahrheit die Garantien der Strafprozessordnung, den Schuldgrundsatz und die Unschuldsvermutung komplett außer Kraft setzen will, sobald es um irgendwelche sexuellen Anschuldigungen geht.

(...) Das Sexualstrafrecht ist heute bis an den äußersten Rand des Möglichen ausgedehnt. Arbeitsrecht, öffentliches Dienstrecht und allgemeines Zivilrecht gewähren weitestreichende Möglichkeiten, unterhalb der Schwelle des Strafrechts gegen – sexuell oder sonst wie motivierte – Nachstellungen vorzugehen. Eine angebliche "Kultur des Schweigens" oder eine gesamtgesellschaftliche Verharmlosung von sexuellen Nötigungen (mit Gewalt oder Drohungen) gibt es nicht.


Auch MANNdat hat sich zu diesem Thema in den letzten Tagen geäußert.



4. Im Zug passiert: Die Berliner BVG erklärt, wie Fahrgäste reagieren sollten, wenn in der U-Bahn eine Frau plötzlich zu masturbieren beginnt.



5. Spiegel-Online berichtet, wie libysche Milizen die Vergewaltigung von Männern als Kriegswaffe einsetzen.



6. Genderama meldete gestern, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg mit knapp einer Million Euro für die Erforschung antifeministischer Diskurse unterstützt. Die Begründung: Wenn der Fachbereich Genderstudien als "unwissenschaftlich" kritisiert würde, gefährde das den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Kritik an der feministischen Ideologie habe eine zersetzende Auswirkung auf unsere Gesellschaft, gefährde Pluralität und damit unsere Demokratie.

Das Wissenschaftsblog Sciencefiles kommentiert diese üppige Verwendung von Steuergeldern ausführlich. Ein Auszug:

Eine wissenschaftliche Disziplin wird kritisiert. Sie wird harsch kritisiert. Es werden Fragen nach ihrer Epistemologie, ihrem Erkenntnisinteresse, ihrem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen gestellt. Die theoretische Basis der wissenschaftlichen Disziplin wird angezweifelt. Es wird festgestellt, dass die wissenschaftliche Disziplin keinerlei Beitrag zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt geleistet hat. Es wird gezeigt, dass die Disziplin in manchen Bereichen der Wissenschaft dazu geführt hat, dass hinter bereits erreichte Wissensfortschritte zurückgefallen wurde. Den Mitgliedern der wissenschaftlichen Disziplin wird vorgehalten, dass das Wenige, das sie an Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt für sich reklamieren, Plagiate oder Trivialitäten sind, die keinerlei wissenschaftlichen (Neuerungs-)Wert haben. Schließlich wird die Disziplin, werden ihre Vertreter als politische Steigbügelhalter ausgewiesen, deren Ziel nicht darin besteht, Wissenschaft zu betreiben, sondern politischen Aktivismus zu verbreiten, an Universitäten, um dort die Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis zu zerstören, in der Gesellschaft, um dort als Legitimation für einen Umbau der Gesellschaft zu dienen, als willige Vasallen der politischen Indoktrination.

Was tun Vertreter einer wissenschaftlichen Disziplin, die mit solch‘ grundlegender Kritik konfrontiert sind, deren wissenschaftlicher Status in Frage gestellt wird, weil sie als Steigbügelhalter der Politik identifiziert werden? Das ist ganz einfach: Sie erstellen Meta-Analysen, in denen sie den Erkenntnisfortschritt, der ihrer Disziplin zu verdanken ist, nachzuweisen versuchen. Sie beantworten die Fragen, die zur Epistemologie und zum Erkenntnisinteresse des Faches gestellt werden. Sie zeigen den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen des Faches auf. Sie modifizieren ihr Fach da, wo die Kritik zutrifft. Sie halten sich fern von politischem Aktivismus, um den Gedanken, man sei Ideologe und eben nicht Wissenschaftler gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sie betreiben Grundlagenarbeit. Sie beschreiben ihre wissenschaftliche Methode. Sie werben Drittmittel ein, um Projekte zu finanzieren, die eine klare wissenschaftliche Fragestellung und einen vorab benennbaren wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn haben.

Das tun Vertreter einer wissenschaftlichen Disziplin, die heftig kritisiert wird.

Deshalb wissen wir, dass Gender Studies keine wissenschaftliche Disziplin sind. Deshalb wissen wir, dass deutsche Hochschulen in der Hoffnung mit Gender Studies infiltriert wurden, man könne einem beabsichtigten gesellschaftlichen Umbau dadurch wissenschaftliche Legitimation verschaffen. Deshalb wissen wir, dass Gender Studies eine Ideologie sind, deren Vertreter keine Wissenschaftler, sondern politische Aktivisten sind, die sich zum Vasallen von Politikern zu machen, um die Wissenschaft an die Politik zu verkaufen.


Wenn Vertreter der Genderstudien sich darüber empörten, dass ihr Bereich als "quasi-religiöse Strömung" angesehen werde, dann, so sciencefiles, sei diese Kritik eher noch zu kurz gegriffen:

Die Gender Studies sind keine quasi-religiöse Strömung. Sie sind eine religiöse Strömung. Die Vertreter der Gender Studies hatten unzählige Gelegenheiten, sich als Wissenschaftler darzustellen und die Kritik, die vorgebracht wird, mit wissenschaftlichen Methoden zu entkräften. Sie haben es jedes Mal [vorgezogen] und ziehen es auch dieses Mal vor, die Kritiker zu attackieren. So verhält sich niemand, der eine Idee davon hat, was Wissenschaft und was wissenschaftlicher Fortschritt ist. So verhalten sich politische Steigbügelhalter, deren Aufgabe darin besteht, einen gesellschaftlichen Umbau zu legitimieren. Als solche sind sie kein Mitglied der Scientific Community.

(...) Dass ein BILDUNGSministerium eine Million Euro Steuergelder verschwendet, um Gender-Trash zu finanzieren, der dazu dient, Kritiker zu diskreditieren und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu denunzieren, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Gender-Aktivismus auf dem letzten Loch pfeift, dass der Versuch, Gender-Junk an Hochschulen mit dem Feigenblatt der Wissenschaftlichkeit zu schmücken, vollständig in die Hose gegangen ist. Dafür spricht auch, dass das BMBF direkt als Financier auftreten muss, um gewünschte Ergebnisse vorzugeben und genehme Ergebnisse zu erhalten, weil eine Finanzierung durch die Scientific Community – z.B. durch die DFG - offensichtlich nicht in Frage kommt.


In einem weiteren Beitrag deckt Sciencefiles einige Hintergründe dieses Vorgangs auf und erhebt den Vorwurf der Korruption.



7. In der Neuen Zürcher Zeitung teilt die Psychologin Caroline Alisa Sosat die von Sciencefiles geäußerte Kritik:

Die queer geprägten Gender-Studies sind als Wissenschaft und als politische Szene im Verfall begriffen. An dieser Erkenntnis hängen die hart umkämpften Arbeitsplätze in der Akademie, Stipendien und Fördermittel.

Wären in den Gender-Studies in ihrer jetzigen Form nicht nur vereinzelte Forscher wissenschaftlich ernst zu nehmen, sprächen die Leistungen der Disziplin unmissverständlich für sich. Böten die zugehörigen Szenen mehr als unmittelbare Selbsttherapie und wütende Baseballschläger-Ästhetik, wäre ihre Politik kein blosser Egozentrismus. Keine Geschlechterforscherin hätte es dann nötig, gekränkte Rechtfertigungen auf queeren Blogs und im bürgerlichen Feuilleton zu veröffentlichen.

Der Gender-Kaiser ist nackt – das ist allen bewusst oder unbewusst klar.




8. Wie die Kulturjournalistin Katie Yoder in der Washington Post berichtet, wird die Popsängerin Taylor Swift von Feministinnen unter Beschuss genommen:

Und ihre Attacken offenbaren etwas sehr Hässliches am modernen Feminismus: Während die heutigen Feministinnen behaupten, die Rechte aller Frauen zu verteidigen, sprechen sie nur für Frauen, die mit ihnen einverstanden sind – laut, häufig und auf Abruf.

(...) Doch die feministische Bewegung tut so, als würde sie jeden einbeziehen, der sich für Frauen einsetzt. Gloria Steinem zum Beispiel beschreibt eine Feministin als "jeden, der die Gleichberechtigung und volle Menschlichkeit von Frauen und Männern anerkennt". Hillary Clinton sagt, dass eine Feministin "jemand ist, der an Gleichberechtigung glaubt". Die Facebook-Chefin Sheryl Sandberg nennt den Feminismus "den Glauben daran, dass Männer und Frauen gleiche Chancen haben sollten". Die Schauspielerin und UN-Botschafterin Emma Watson sagt: "Wenn du für Gleichberechtigung eintrittst, bist du eine Feministin." Feminismus ist nach Taylor Swifts eigenen Angaben "im Grunde genommen ein anderes Wort für Gleichberechtigung".

Und doch bedeutet Feminismus nach Ansicht der Guardian-Kolumnistin Jessica Valenti nichts, wenn jeder ein Feminist ist. "Ohne einige Grenzen für die Definition des Wortes feministisch, wird es bedeutungslos", erklärte sie 2014. Die erste Grenze, an die sie dachte? Abtreibungspolitik. "Also ein für allemal: Kannst du eine Anti-Abtreibungs-Feministin sein? Nein."

(...) Wir haben keine Ahnung, was Taylor Swift über eine Vielzahl von politischen Themen denkt: wie sie über Trump denkt, was ihrer Ansicht nach die Ziele des Feminismus sein sollten, wo sie sich bei der Abtreibungsfrage wiederfindet. Aber die andauernde Anklage von Swift beweist, dass man nicht einmal Überzeugungen haben muss, die so hart sind wie Antiabtreibungs-Feministinnen, um aus der heutigen Bewegung herausgezählt zu werden. Um ins Exil zu kommen, genügt es nur, die Parteilinie nicht laut genug zu bestätigen. Und für jede Bewegung, die die Sache der Frauen als Ganzes voranbringen will, ist das ein Problem.


Was das Bundesbildungsministerium und die Philipps-Universität Marburg zu den Artikeln in der Neuen Zürcher Zeitung und der Washington Post sagen würden ist klar: Diese Blätter gefährden mit ihrer Kritik an Gender und Feminismus den gesellschaftlichen Zusammenhalt, haben somit eine zersetzende Auswirkung auf unsere Gesellschaft, gefährden Pluralität und also auch unsere Demokratie. Es sind noch einige Millionen an Steuergeldern nötig, um gegen solche Rechtsaußen-Gazetten "Handlungsempfehlungen zu entwickeln".

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