Dienstag, März 07, 2017

Wenn Schlag-Zeilen daneben treffen – News vom 7. März 2017

1. "Wütende Väter schöpfen neue Hoffnung" titelt Die Welt. (So wie Leitmedien Männerrechtler immer als "Angry White Men" betiteln, auch wenn sie schwarz und gelassen sind, sind Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, immer "wütend" und nie "traurig", "besorgt" oder "verzweifelt".) Der Artikel schildert, wie Frauenministerin Schwesig durch das Urtel des Bundesgerichtshofs zum Wechselmodell "zwischen die Fronten" gerate. Auf der einen Seite kritisieren sie die

männlichen Aktivisten als Schutzheilige der Alleinerziehenden, die zwar permanent für Partnerschaftlichkeit in der Beziehung werbe, für getrennte Väter aber keinen Sinn habe. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, welch ein rotes Tuch Manuela Schwesig für viele dieser Männer ist, muss nur die Facebook-Seite "Schwesig muss weg" besuchen. (...) Hier kommen "entsorgte Väter" zu Wort, die gegen mütterliche Allmachtsfantasien, geldgierige Exfrauen und parteiische Richter polemisieren.


Auf der anderen Seite möchte die Mütterlobby gerne ihre Macht über das gemeinsame Kind behalten:

Die ersten Proteste gegen das Urteil des Bundesgerichtshofs sind jedenfalls bereits im Gange. Auf der Plattform Change.org hat die Mütterinitiative "Mamas wehren sich" eine Petition gestartet.


"Mütter müssen teilen lernen" betitelt der Berliner Tagesspiegel seinen Artikel über das aktuelle Gerichtsurteil. Dabei bleibt dessen Autor, Jost Müller-Neuhof skeptisch, ob dieses Urteil wirklich die ersehnte Erlösung für Väter darstellt:

Der BGH-Beschluss ist (...) nur ein freundlicher Wink, mehr nicht. Schon gar nicht ist er ein Durchbruch für Väter, die in einer gleichberechtigten Rolle als Erzieher wahr- und ernstgenommen werden wollen. Auch im entschiedenen Fall schimmert Skepsis der Richter durch, ob der Vater bei seinem Begehren nicht mehr als das Wohl des Kindes sein eigenes im Auge haben könnte. (...) Motive, die man Frauen in vergleichbarer Lage eher selten unterstellt. Prägend ist hier das rundweg positive Bild von Verantwortung und Selbstaufgabe. Bei allem gesellschaftlichen Fortschritt hat sich daran bisher wenig geändert. So haben es die Mütter in der Hand: Schüren sie Konflikte, wird kein Wechselmodell angeordnet. Sie müssen freiwillig hergeben, was sie eigentlich behalten wollen. Anders kann es keine Gleichberechtigung geben.


Das ZDF widmet sich diesem Thema in einem elfminütigen Beitrag:

Als Vater nicht zu wissen wo die eigenen Kinder sind, ist bereits eine kaum auszuhaltende Qual. Doch zu wissen, sie wurden von der eigenen Mutter und Ex-Frau entzogen, ist unvorstellbar. Andreas Schlüter versucht alles, um seine Mädchen zu finden.


Die Situation in der Schweiz beleuchtet Claudia Blumers Artikel "Mütter sollen daheim bleiben und zu den Kindern schauen". Ein Auszug:

Nur verspürt die Justiz teilweise wenig Lust auf die Modernisierung. Das zeigt ein Leitfaden des Zürcher Obergerichts zum neuen Unterhaltsrecht. Er wurde von Ober- und Bezirksrichtern erarbeitet und an alle Zürcher Gerichte verteilt. Der 25-seitige Leitfaden, der nicht öffentlich zugänglich ist, Tagesanzeiger.ch/Newsnet aber ausgehändigt wurde, handelt die alternierende Obhut auf gerade einmal sieben Zeilen ab. Sie sei auf Antrag zu prüfen, heisst es. "Ein Anspruch darauf besteht allerdings nicht: Das Kindeswohl ist oberste Richtschnur." Die Botschaft der Verfasser des Leitfadens an die Adresse der Richterkollegen lautet damit: Es hat sich in dieser Hinsicht nichts geändert.

Parlamentarier, die am Gesetz mitgewirkt haben, reagieren überrascht. "Der Leitfaden erweckt den Eindruck, als wäre der Wunsch nach abwechselnder Betreuung ein Randphänomen. Das Gegenteil ist der Fall. Die alternierende Obhut ist vielmehr eine Form der gemeinsamen Sorge", sagt Ständerat Janiak. Die Erwähnung eines Betreuungsmodells im Gesetz sei etwas Neues. "Das Parlament will dieses Modell fördern. Bei den Gerichten fehlt offenbar die Bereitschaft, den Parlamentswillen umzusetzen." Auch Ständerat Robert Cramer (Grüne) ist enttäuscht. "Der Leitfaden ist nicht konform mit dem Willen des Gesetzgebers. Und auch nicht mit der Bundesverfassung, in der die Gleichheit aller Menschen garantiert ist. Dahin will das Parlament, indem es die Beziehung des Kindes zu Vater und Mutter gleichermassen fördert." Die Gerichte müssten das respektieren und umsetzen, sagt Cramer. "Es ist klar, dass viele Frauen diesen Systemwechsel nicht wollen. Denn sie verlieren damit Alimente. Kindergeld ist auch Frauengeld."




2. "Gegen das Gift der Männlichkeit" wählt die Augsburger Allgemeine als Schlag-Zeile für einen Artikel, der die Feministin Laurie Penny und den Feministen Jack Urwin feiert. Die Überschrift macht immerhin die Einstellung von Feministinnen gegenüber Männern deutlich und erklärt damit auch, warum diese Ideologie bei den meisten Männern auf Ablehnung stößt. Lucas Schoppe hatte schon vor einiger Zeit derartige Formulierungen kritisiert,

als wäre es belanglos, dass die Gift-Metapher schon lange wichtiger Bestandteil rechtsradikaler, antihumaner Politik ist. Für die Nationalsozialisten war schon die bloße Existenz von Juden – anknüpfend an die Brunnenvergiftungs-Legenden des Mittelalters – eine Volksvergiftung. Gift wiederum ist etwas Fremdes, das in das Eigene eindringt – es zerstört den reinen, gesunden "Volkskörper" – es breitet sich aus, wenn es nicht gestoppt wird – und die Vergiftung ist heimtückisch. Die offenkundige Eignung der Metapher für rechtsradikale Propaganda müsste eigentlich ein Grund sein, mit ihr in demokratischen Diskursen vorsichtig umzugehen.

Zudem ist der Begriff der toxic masculinity, der vergiftenden Männlichkeit, auf gefährliche Weise mehrdeutig. Er lässt sich leicht so verstehen, dass es sich auf Männlichkeit generell bezöge – aber kann zugleich einschränkend immer dadurch entschärft werden, dass es sich keineswegs auf alle Männer bezöge, sondern nur auf eine bestimmte, besonders destruktive Spielart der masculinity. ("Milliarden Männer haben noch nie jemanden umgebracht oder auch nur verletzen wollen. Aber ...") Gerade diese Mehrdeutigkeit würde Menschen wohl davon abhalten, etwa von einer vergiftenden Weiblichkeit oder einem vergiftenden Islam zu sprechen.




3. "HIV-kranke Frau wird Opfer einer Vergewaltigung" titelt die Schwäbische. Es muss sich um eine Tatsache handeln, andernfalls würde sie das Blatt doch nicht entsprechend darstellen. Wäre es nur eine Behauptung, müsste die Schlagzeile ebenso anders lauten wie der Artikel, in dem es heißt:

Eine 30-jährige Frau ist in Crailsheim das Opfer einer Vergewaltigung geworden. Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Sonntag nach einem Kneipenbesuch.


Sie ahnen es natürlich schon: Für unsere Journalisten ist alles, was eine Frau behauptet, automatisch die Wahrheit. Skeptisch wird das Blatt erst ein paar Tage später, als die Sache auffliegt: "Hat erkrankte Frau Vergewaltigung erfunden?" Aber noch immer tun sich die Journalisten damit schwer, dass es so etwas wie Falschbeschuldigungen geben könnte. Obwohl die Polizei gegen die betreffende Frau inzwischen wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt, heißt es in dem Artikel bizarrerweise: "Der Täter hat sich gestellt."



4. Es gibt aber auch Schlagzeilen, die treffen sehr genau, gerade weil sie aus der wie gleichgeschaltet wirkenden Meute der meisten Journalisten ausbrechen. So kommentiert Corrine Barraclough den "Weltkampftag" der Frauen mit diesem Artikel: "Yawn. Isn’t every day International Women’s Day?" Fazit des Artikels:

International Women’s Day is a pathetic excuse for women already dripping in privilege to pat themselves on the back for succeeding in perpetuating faux gender narratives and securing deluxe funding for another year. Heaven forbid we finally take a united step forward.


Meinungen wie diese sind vermutlich auch 2017 wieder in der gesamten deutschen Presse verboten.



5. Auf den Seiten von Lucas Schoppe setzt sich Mark Smith mit der Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach auseinander, die eine "Pussyrevolution" fordert. Sein Fazit trifft auf vieles zu, was derzeit als "Genderforschung" verkauft wird:

Es werden Begrifflichkeiten eingeführt (Phallokratie, phallozentristische Ordnung, Patriarchat, Patriarchat ohne Patriarch, väterliches System, Gender-Flexibilisierung, Modell Arbeiter, männliche Maßstäbe, symbolische Gewalt etc.), ohne diese Begriffe auch nur ein klein wenig zu definieren und anzugeben, was man sich darunter im Alltag oder in der realen Welt überhaupt vorstellen muss. Und man sollte sich fragen, ob die Begriffe überhaupt irgendeinen realen Gehalt in der sozialen Welt besitzen. Meine Vermutung ist vielmehr, dass es eben keine deskriptiven oder analytischen Begriffe sind, sondern vorrangig Kampfbegriffe mit vielfach wenig Realitätsgehalt, bei denen es primär um politische Rhetorik geht.

Für ihre Aussagen bringt Schutzbach keine repräsentativ empirischen Belege, und wenn einmal eine Aussage kommt, die einen statistischen Beweis erbringen soll, ist er falsch.

Neben den empirischen Belegen, die fehlen, fehlen vielfach ebenso argumentative Begründungen für ihre Aussagen: Das heißt, dass man eben nicht nur etwas behauptet, sondern diese Behauptungen außerdem mit Gründen stützt, infolgedessen einen argumentativen Diskurs führt. Und daneben sollten die Gründe zudem noch relevant sein und nicht bloße Polemik bzw. Rhetorik.

Meines Erachtens hat der Duktus der Schutzbachschen Texte vielfach Strukturmerkmale, wie sie bei Verschwörungstheorien vorkommen: die Monokausalität (Patriarchat oder Patriarch oder Phallokratie ist quasi für das gesamte Elend auf der Welt verantwortlich) und der Manichäismus: Das männliche Prinzip, auch wenn es nur symbolisch gemeint ist oder nicht auf alle Männer zutrifft, ist das Böse und das Weibliche das Gute.


Was antworten Vertreter des Fachbereichs Genderstudien auf solche immer wieder vorgebrachte Kritik? Sie etikettieren sie als "rechts", und damit ist der Fall für sie gegessen.



6. An Wiener Unis wird die feministische Lehre gestrichen. Eine feministische Lektorin sieht das natürlich als Folge einer "neoliberalen Kürzungspolitik".

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